Abitur nachholen mit Erfolg

Abitur nachholen auf dem 2. Bildungsweg
Abi nachholen: gewusst wie und wo!
S. Hofschlaeger / pixelio.de

Eine ganze Reihe von Schülern beendet mit der mittleren Reife oder einem Hauptschulabschluss vorläufig die schulische Laufbahn. Es folgt eine Berufsausbildung sowie eine mehrjährige Berufspraxis. Wer sich im Beruf etabliert hat und seine Karrierechancen ausbauen will, aber aufgrund seiner mittleren schulischen Bildung abgelehnt wird, entscheidet sich möglicherweise dazu, das Abitur nachzuholen.

Für manche ist das Abitur nur ein Papier, das nötig ist, um innerhalb der Firma eine bestimmte Position zu erreichen. Für andere ist das Abitur die Grundvoraussetzung, um den gewünschten Berufsweg weiterzuverfolgen, bei dem zwingend ein Studium absolviert werden muss. Wieder andere machen das Abitur, weil sie sich selbst etwas beweisen wollen. Egal wie die Motivation ist, die heutige Bildungslandschaft hält ganz unterschiedliche Möglichkeiten bereit, die nahezu jedem Anspruch gerecht wird.

Dabei ist die Möglichkeit, das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nachzuholen keineswegs eine „Notlösung“. Es handelt sich im Gegenteil vielmehr um die wertvolle Chance, das Abitur zu einem Zeitpunkt abzulegen, zu dem unmissverständlich klar ist, wofür das Abitur benötigt wird. Allein durch das höhere Alter, das beim Abitur auf dem zweiten Bildungsweg logischerweise höher liegt, als das eines klassischen Abiturienten, gelten die Absolventen des 2. Bildungsweges häufiger als reifer. Ausgestattet mit diesem Attribut haben Abiturienten über den zweiten Bildungsweg erfahrungsgemäß sehr gute Erfolgschancen, die Reifeprüfung mit Erfolg abzulegen.

Bildungslandschaft in Deutschland

Abbildung 1:
Die Bildungslandschaft in Deutschland unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. Diese stark reduzierte Darstellung dient dem besseren Überblick: Sie gilt deutschlandweit und zeigt die Schülergruppe, die grundsätzlich den Wunsch hegt, das Abitur nachzuholen – nämlich diejenigen, die im Sekundarbereich I einen Abschluss haben.

Aufbauend auf dem Wissen um die Hauptzielgruppe, die das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholt, ist der Lehrstoff oftmals zielgruppenspezifisch aufbereitet. Auch das ist ein Grund, warum die Erfolgschancen auf eine erfolgreiches Abitur per 2. Bildungsweg recht hoch sind.

Bildungsanbieter zum Abitur nachholen

Abitur an einer Fernhochschule am Beispiel ILS – Absolventen berichten

Vollzeitunterricht oder flexibles lernen am Abend

In Abhängigkeit von der Motivation und den Lebensumständen können sich angehende Abiturienten für einen der Bildungswege entscheiden:

Eine Übersicht der Optionen soll diese Tabelle geben:

Der Weg zum Abitur Beschreibung Vorteil Nachteile
Abitur am Kolleg nachholen Der Besuch eines Kollegs ist die Vollzeit-Variante, bei der lernwillige Erwachsene 30 bis 32 Stunden in der Woche die Schulbank drücken.
  • Die Struktur ist vorgegeben.
  • Es gibt eine Einführungsphase, um das Lernniveau anzupassen.
  • Das Kolleg ist eine sehr starre Variante, um das Abitur nachzuholen und lässt sich nicht mit dem Beruf verbinden.
  • Abitur per Fernstudium Das Abitur via Fernstudium oder Fernschule zu absolvieren ist die moderne Variante, die sich hauptsächlich in der Online-Welt abspielt.
  • Zeitliche Flexibilität.
  • Ein hohes Maß an Motivation und Selbstdisziplin sind Grundvoraussetzung.
  • Online Abitur Eine Mischung vieler Lernoptionen ist das Online Abitur, bei dem der Schüler am Computer e-Learning betreibt, das Selbststudium auf sich allein gestellt bewerkstelligt und an Präsenzterminen teilnimmt.
  • Der Variantenreichtum der Lernmethoden ermöglicht es, sich die Lehrinhalte auf vielfältige Art und Weise anzueignen.
  • Präsenzseminare sind obligatorisch und minimieren den Grad der Flexibilität.
  • Das Online Abitur ist nicht in allen Bundesländern zu erwerben.
  • Abitur am Abendgymnasium oder an der Abendschule Das Abitur am Abendgymnasium ähnelt dem Abitur am Kolleg weitestgehend, nur die Schulzeit findet nicht tagsüber statt, sondern eben in den Abendstunden.
  • Das Abitur am staatlichen Abendgymnasium zu erlangen, ist kostenfrei.
  • Beim Besuch der Abendschule muss der Tagesablauf nicht komplett geändert werden. Der Tag wird allerdings länger.
  • Die Herausforderung, nach einem Arbeitstag noch zu lernen, darf nicht unterschätzt werden
  • Private Abendschulen verlangen Schulgeld.
  • Die Möglichkeiten zum Nachholen des Abiturs sind vielfältig und die Kosten ebenfalls. Wer das Abitur im zweiten Bildungsweg nachholt, benötigt in den meisten Fällen Geld. Kosten fallen beispielsweise für die Anmeldung, den Kurs an sich, für Arbeits- und Kommunikationsmaterialien, Fahrt- und/oder Unterbringungskosten sowie Prüfungsgebühren an. Den finanziellen Aufwand zu stemmen, bedeutet eine zusätzliche Herausforderung.  Das kann neben dem ohnehin stressigen Alltag, der durch das Nachholen des Abiturs fast automatisch entsteht, mitunter zu einem Problem werden.

    Welche Möglichkeiten es zur Finanzierung gibt, ob und inwieweit öffentliche Förderungen zu Verfügung stehen, hängt auch von den persönlichen Voraussetzungen und den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Während staatliche Schulen Kurse anbieten, die komplett kostenlos sind, gibt es private Kollegs, die mehrere Hundert Euro Schulgeld pro Monat in Rechnung stellen. Das kann sich in der Haushaltskasse schon stark bemerkbar machen.

    Allen Schulen ist gemeinsam, dass sie staatlich anerkannt sind und damit festgeschriebene Lehrinhalte vermitteln (müssen). Je nach Bundesland unterscheiden sich Lehrpläne und Prüfungsordnungen. In manchen Einrichtungen ist es Bedingung, einen Wohnsitz in dem Bundesland zu haben, an der die Schule ihren Sitz hat. Die meisten Anbieter sind hier jedoch völlig flexibel und lassen auch Schüler zu, die ihren Wohnort im Ausland haben.

    Bezüglich der Finanzierung des Abiturs gilt ähnliches. Öffentliche Gelder gehen in der Regel an deutsche Bundesbürger mit Wohnsitz in Deutschland. Dazu gehören die Bildungsprämie genauso wie das Schüler-BAföG. Eine weniger bekannte Möglichkeit ist die Finanzierung über ein Stipendium. Stipendien werden oft von Stiftungen oder privat gegründeten Initiativen vergeben. Die wohl bekanntesten Beispiele hierfür sind die Hans-Böckler-Stiftung und die Crespo Foundation. Allerdings gibt es zumindest aktuell keine zentrale Datenbank, in der sich Stiftungen eintragen und der Zugriff auf Bildungsstipendien abgefragt werden könnte. Vielmehr ist der potenzielle Stipendiat auf sich selbst gestellt, einen geeigneten Geldgeber ausfindig zu machen. Suchmaschinen, persönliche Kontakte und die aufmerksame Lektüre von lokal und überregional erscheinenden Magazinen sind hilfreiche Informationsquellen auf der Suche nach einer Finanzspritze per Stipendium.

    Mit modernen Lernangeboten zum qualifizierten Abschluss

    Neben den klassischen Bildungswegen (Kolleg, Fernschule, Abendschule/Abendgymnasium) sind aktuell zwei moderner Formen auf dem Markt, die ebenfalls den Weg zum Abitur ebnen. Es geht um das Online-Abitur und die Begabtenprüfung. Beim Online Abitur profitieren die Schüler von einer Kombination aus Präsenzunterricht, Selbststudium und digital gestützten Bausteinen. Das Online-Abitur wird in Verbindung mit staatlichen Abendgymnasien angeboten und ist eine Initiative von derzeit acht Bundesländern. Dieser Schulungsweg zum Abitur ist erst seit einigen Jahren etabliert und es ist zu erwarten, dass die anderen Bundesländer ebenfalls nachziehen.

    Passenden Anbieter wählen

    Die Bildungslandschaft ist sehr bunt und es ist wichtig, dass man einen seriösen und passenden Anbieter zum Abitur nachholen findet. Um das herauszufinden gibt es einige Ansätze. Potenzielle Schüler können sich im Vorfeld über die einzelnen Schulen informieren. Im Zeitalter von Internet und Social Networking ist es inzwischen kein Problem mehr, sich mit ehemaligen Schülern oder aktiven Dozenten zu verbinden, um ungeschminkt subjektive Meinungen zu erfahren. Schnell sind Internetseiten von Abitur-Anbietern gefunden, Unterlagen angefordert und Kontaktadressen zu ehemaligen Kursteilnehmern ermittelt. Die Flut von Informationen ist enorm groß. Sinnvoll ist, sich von einigen Schulen die Unterlagen anzufordern, und sie im Detail miteinander zu vergleichen. So lässt sich feststellen, welche Vor- und Nachteile in Hinblick auf die individuelle Situation zu Buche schlagen. Unterm Strich muss das Gesamtpaket stimmen und es spielen mehrerer Faktoren eine Rolle, um die richtige Entscheidung zu treffen.

    Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren für oder gegen einen Abitur-Nachholkurses, die jeder für sich klären sollte sind:

    • Gesamtkosten des Abiturkurses
    • Laufzeit des Kurses
    • Lernform des Kurses
    • Zugangsvoraussetzungen
    • erforderliche Zeitaufwand
    • Vereinbarkeit mit Beruf, Familie und Alltag

    Neben diesem individuellem Kriterienkatalog ist die Wahl des Anbieters zudem ein zentrales Kiterium, das über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Die staatliche Zulassung des Anbieters ist dabei Grundvoraussetzung, um sich näher mit den Details auseinanderzusetzen. Die Qualität eines Anbieters, der die Möglichkeit bietet, das Abitur nachzuholen, lässt sich ansatzweise an der Präsentation der Leistungen ablesen. Ein hoher Informationsgehalt auf der Homepage sowie die prompte Reaktion auf etwaige Rückfragen, zeichnet einen qualitativ hochwertigen Anbieter aus. Darüber hinaus ist das Angebot von Informationsgesprächen ein großer Pluspunkt für die Anbieter, denn viele Rückfragen lassen sich besonders einfach und schnell in einem Gespräch klären.

    Die Dauer der Lernphase bis zum Abitur

    Je nach Bildungsniveau kann der Weg bis zum Abitur recht lang sein. Der längste Weg zum Abitur steht bevor, wenn kein qualifizierter Schulabschluss vorliegt. Denn als Basis dient zunächst die mittlere Reife, an der im Prinzip alle weitergehenden Lehrgänge anknüpfen. Zusätzlich dazu ist Berufspraxis von mindestens drei Jahren erforderlich. Hat man dieses Niveau erreicht, dauert es bis zum Abitur noch mindestens 12 Monate (bei extrem effizientem Fernstudium) und bis zu 60 Monate bei Ausnutzung sämtlicher möglicher Verlängerungen.

    Wer über längere Zeit nebenberuflich damit beschäftigt ist, sein Abitur nachzuholen, benötigt einen gut organisierten Alltag. Es gilt viele Faktoren zu beachten, damit der Balanceakt zwischen Beruf, Familie und Lernpensum bewältigt werden kann. Studierende tun gut daran, ihre Aufgaben und Lernphasen zeitlich in den Alltag einzuplanen, um nicht ungewollt ins Hintertreffen zu geraten. In diesem Zusammenhang spielt es ebenfalls eine Rolle, das private Umfeld zu informieren. Wenn Familie und Kollegen hinter dem Lernenden stehen, läuft das Studium erheblich leichter.

    Auch diese Tipps helfen, den Weg zum Abitur erfolgreich zu bezwingen:

    • Lernende sollten sich realistische Lernziele setzen. Häufig geben Lernlektionen bereits ansatzweise vor, welche Lern-Häppchen dies sein können.
    • Abiturienten sollten sich in Ruhe und mit Bedacht die individuell am besten passende Lernvariante heraussuchen. Dabei haben sie grundsätzlich die Möglichkeit, Fach für Fach abzuarbeiten oder sich alternativ einen Lernplan zu erstellen, der wie ein Stundenplan bunt gemischt ist. Auch Priorisierungsmethoden wie das ABC-Prinzip können helfen, das Lernpensum zu meistern.
    • Wer ein Etappenziel erfolgreich meistert, sollte sich belohnen. Tipp: Besonders wirksam sind zwischendurch eingeschobene erholsame Stunden sowie eine aktive Freizeitgestaltung.

    Alternativen in Betracht ziehen

    Es muss nicht immer das Abitur sein. Für manche Berufsziele ist es ausreichend, die Fachhochschulreife zum Besuch einer Fachhochschule oder vergleichbaren Bildungseinrichtung vorzuweisen. Insbesondere für Studiengänge mit Praxisbezug (Bachelor und Masterstudiengänge) stellt das Fachabitur die passende Lösung dar. Wer im Gesundheitswesen, der Elektrotechnik, dem Maschinenbau oder dem Ingenieurswesen Fuß fassen will, ist mit dem Fachabitur auf dem richtigen Weg.

    Je älter und erfahrener ein potenzieller Abiturient ist, desto weniger Zeit wird erfahrungsgemäß für das Erlangen der Hochschulreife aufgewendet. Grund dafür ist die enge Einbindung in den Alltag. Man hat Familie, pflegt ein Elternteil oder steht im Berufsleben so stark im Fokus, dass ein rascher und effizienter Weg zum Abitur gefragt ist. Für diese Personen kommt unter Umständen die Begabtenprüfung infrage. Bei der Begabtenprüfung werden Bewerber schriftlich und mündlich geprüft, wobei die Vorbereitung bei den Bewerbern selbst liegt. Sie sind nicht verpflichtet, bestimmte Lehrstunden nachzuweisen. Gleichwohl ist es möglich, begleitende Kurse in der Vorbereitung auf die Begabtenprüfung zu belegen. Eine entsprechende und vor allem zielgerichtete Prüfungsvorbereitung ist neben dem Mindestalter von 25 Jahren sowie Berufspraxis von fünf bis sieben Jahren Grundvoraussetzung, um zur Begabtenprüfung zugelassen zu werden. Geprüft wird in einem wissenschaftlichen Fachgebiet, in Mathematik und einer Fremdsprache. Nach dem Losprinzip muss der Prüfling zudem noch eine Prüfung in den Fächern Physik, Chemie, Technik, Biologie, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft und Erdkunde ablegen.

    Nicht zuletzt steht es Berufserfahrenen Personen immer offen, sich ohne Hochschulreife an einer Universität zu bewerben. Liegen studienrelevante Erfahrungen und Kenntnisse vor, haben die Hochschulen die Möglichkeit, eine Eignungsprüfung durchzuführen. Diese prüft neben den fachspezifischen Kenntnissen auch das Allgemeinwissen des Bewerbers ab. In mündlichen und schriftlichen Prüfungen muss dieser sich beweisen und die Universität davon überzeugen, dass die persönlichen und fachlichen Voraussetzungen reichen, um ein Universitätsstudium erfolgreich abschließen zu können.

    Umfassend informieren – individuell entscheiden

    Es stehen zum Thema Abitur nachholen viele Informationsquellen bereit, die potenzielle Bewerber für sich nutzen sollten. Je umfassender sie informiert sind, umso besser kann die passende Variante gewählt werden. Denn nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bleibt man am Ball und motiviert. Doch die Zahlen sprechen für sich, denn die Durchfallquoten sind gering: Erfahrungsgemäß schaffen mehr als 90% aller Kursteilnehmer die Abiturprüfung auf dem 2. Bildungsweg.