Abitur über die Externenprüfung nachholen, in 11 von 16 Ländern ohne Schulabschluss
Die Externenprüfung ist die Abiturprüfung für alle, die keine Schule besuchen, und führt zur selben allgemeinen Hochschulreife wie das Gymnasium. Sie kostet je nach Land 0 Euro bis 400 Euro, und jedes Land setzt seinen eigenen Meldeschluss.

Die Externenprüfung ist die Abiturprüfung für Menschen ohne Schulbesuch. Sie heißt je nach Land Nichtschülerprüfung, Schulfremdenprüfung, Abiturprüfung für Externe oder Abiturprüfung für andere Bewerberinnen und Bewerber, und alle 16 Länder führen sie. Sie bereiten sich selbst oder in einem Lehrgang vor, melden sich bis zum Meldeschluss Ihres Landes an und legen die Prüfung an einer Schule ab, die die Schulbehörde zuweist. Wer besteht, hat die allgemeine Hochschulreife, und im Zeugnis steht kein Unterschied zum Gymnasium.
Bayern und Nordrhein-Westfalen prüfen acht Fächer, weil keine Kursnoten mitzählen
Beim regulären Abitur zählen die Kursnoten aus vier Halbjahren der Oberstufe mit, deshalb prüft die Schule am Ende nur wenige Fächer. Bei der Externenprüfung fehlen diese Kursnoten, und die Prüfung muss den Stoff selbst abfragen. Bayern und Nordrhein-Westfalen sehen dafür jeweils acht Fächer vor. Vier davon werden schriftlich geprüft und auf Antrag oder auf Anordnung des Prüfungsausschusses zusätzlich mündlich, die anderen vier nur mündlich.
Bayern schreibt die Fächer dazu vor. Nach Paragraf 61 Absatz 1 der Gymnasialschulordnung müssen unter den acht Fächern Deutsch, Geschichte, Mathematik, eine Naturwissenschaft und zwei Fremdsprachen sein. Wer nur eine Fremdsprache gelernt hat, erfüllt diese Vorgabe in Bayern nicht.
Für die Externenprüfung verlangen 11 Länder keinen Schulabschluss, 3 den mittleren
Darin unterscheidet sich die Externenprüfung am stärksten vom Abendgymnasium und vom Kolleg. Diese beiden Schulen setzen überall einen mittleren Schulabschluss oder einen Vorkurs voraus, also einen Vorbereitungskurs an der Schule, der den fehlenden Abschluss ersetzt. Für die Externenprüfung schreiben 11 Länder gar keinen bestimmten Schulabschluss vor. Sie verlangen stattdessen einen Nachweis, dass die Vorbereitung inhaltlich ausgereicht hat.
Einen mittleren Schulabschluss verlangen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen. Für Saarland und Schleswig-Holstein ließ sich der Wortlaut der Prüfungsordnung auf keinem abrufbaren amtlichen Server sichern, dort bleibt die Frage offen. Wer nur einen Hauptschulabschluss hat, kommt in den 11 Ländern ohne Abschlusspflicht direkt zur Abiturprüfung. Das ist der kürzeste Weg zum Abitur und zugleich der riskanteste, weil niemand die Vorbereitung begleitet.
Die Prüfungsgebühr der Externenprüfung reicht von 0 Euro in Baden-Württemberg und Bremen bis 400 Euro in Hamburg
Für dieselbe Prüfung und dasselbe Zeugnis zahlen Sie in Hamburg 400 Euro mehr als in Baden-Württemberg und Bremen. Belegt sind die Gebühren von 6 Ländern. Für die übrigen 10 Länder nennen weder die Prüfungsordnung noch das Gebührenverzeichnis einen Betrag. Das heißt nicht, dass die Prüfung dort nichts kostet.
| Bundesland | Gebühr |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 0 Euro |
| Bremen | 0 Euro |
| Berlin | 100 Euro |
| Brandenburg | 135 Euro |
| Hessen | 325 Euro |
| Hamburg | 400 Euro |
Berlin befreit von der Gebühr, wer BAföG bezieht oder Leistungen nach dem Zweiten, Achten oder Zwölften Buch Sozialgesetzbuch oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhält. In Brandenburg und Hessen lässt die Behörde erst zu, wenn die Gebühr bezahlt ist. In Hessen weist das Staatliche Schulamt Gießen auch die Prüfungsschule erst nach dem Zahlungseingang zu.
Der Meldeschluss zur Externenprüfung liegt je nach Land zwischen dem 1. September und dem 1. April
Der Meldeschluss ist der letzte Tag, an dem die Anmeldung zur Prüfung eingehen muss. Nordrhein-Westfalen setzt ihn auf den 1. September, Rheinland-Pfalz auf den 1. April eines Jahres. Dazwischen liegen sieben Monate für dieselbe Prüfung im selben Prüfungsjahr. Wer den Meldeschluss des eigenen Landes verpasst, wartet in den meisten Ländern ein volles Jahr, weil die Prüfung dort nur einmal jährlich stattfindet.
Berlin, Hessen und Niedersachsen führen ihren Meldeschluss als Ausschlussfrist oder Ausschlusstermin. Einen verspäteten Antrag prüft die Behörde dort nicht mehr. Hamburg prüft dagegen zweimal im Jahr und hat je einen Meldeschluss für die Herbstprüfung und für die Frühjahrsprüfung. Für Saarland und Schleswig-Holstein ließ sich kein Meldeschluss belegen. Fragen Sie dort die Schulbehörde, bevor Sie planen.
Nordrhein-Westfalen lässt Selbststudium als Vorbereitung zu, Niedersachsen verlangt einen Kurs oder Fernlehrgang
Selbststudium heißt, dass Sie allein mit Büchern und ohne Kurs lernen. Paragraf 4 Absatz 3 Satz 1 der nordrhein-westfälischen Externen-Abiturprüfungsordnung lässt zu, wer darlegt, sich angemessen vorbereitet zu haben, zum Beispiel durch Selbststudium, durch Fernlehrgänge oder durch andere geeignete Vorbereitungslehrgänge. Selbststudium steht dort an erster Stelle.
Niedersachsen verlangt in Paragraf 5 Absatz 4 Nummer 2 AVO-WaNi die Teilnahme an Kursen in Einrichtungen oder Ausbildungsstätten oder an Fernlehrgängen. Reines Selbststudium genügt dort nicht. Die Ergänzenden Bestimmungen zur Verordnung legen fest, dass die Einrichtung nach dem Erwachsenenbildungsgesetz förderungsberechtigt oder nach dem BAföG als gleichwertig anerkannt sein muss. Wer in Niedersachsen wohnt, braucht also einen Fernlehrgang oder einen anerkannten Kurs, nicht bloß Lehrbücher.
BAföG gibt es für die eigenständige Vorbereitung in keinem Land. Paragraf 2 Absatz 1 Satz 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes setzt eine Ausbildung an einer öffentlichen Einrichtung oder einer genehmigten Ersatzschule voraus, und die eigenständige Vorbereitung auf eine Prüfung ist keine solche Ausbildung. Einen Fernlehrgang fördert Paragraf 3 nur ausnahmsweise, für höchstens die letzten zwölf Monate vor dem Abschluss und nur in Vollzeit. Regelmäßig gefördert wird der Besuch eines Kollegs und, für die letzten drei Schulhalbjahre, eines Abendgymnasiums.
Bayern nimmt die Externenprüfung nur an öffentlichen Gymnasien ab und erst ab 20 Jahren
Paragraf 59 Absatz 1 Satz 1 der bayerischen Gymnasialschulordnung bestimmt, dass die Prüfung an den öffentlichen Gymnasien abgelegt wird, nicht aber an Abendgymnasien oder Kollegs. In Nordrhein-Westfalen findet die Prüfung dagegen nach der Verwaltungsvorschrift zu Paragraf 3 auch an Weiterbildungskollegs statt. So heißen dort die Schulen, in denen das Land Abendgymnasium und Kolleg zusammenfasst.
Bayern verlangt außerdem als einziges Land ein vollendetes 20. Lebensjahr, gerechnet auf den 30. September des Prüfungsschuljahres, dazu den Hauptwohnsitz seit mindestens drei Monaten vor Antragstellung im Land. Mehrere andere Länder verlangen ebenfalls einen Wohnsitz im Land. Niedersachsen setzt zwölf Monate Hauptwohnung oder einen festen Arbeitsplatz im Land voraus, Sachsen-Anhalt und Thüringen sechs Monate Wohnsitz.
Mindestalter, Meldeschluss und Gebühr der Externenprüfung in allen 16 Ländern
Jede Zeile nennt die Vorschrift, aus der die Angaben stammen. Ein Strich bedeutet, dass die Vorschrift dazu nichts sagt oder der Wortlaut nicht zu sichern war, nicht dass die Anforderung entfällt. Ein Mindestalter ist für sieben Länder belegt, in den übrigen neun steht ein Strich.
| Bundesland | Mindestalter | Meldeschluss | Gebühr | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | - | 1. Oktober des Jahres, das der Abiturprüfung unmittelbar vorausgeht, 24:00 Uhr | 0 Euro | AGVO § 37 Absatz 1 |
| Bayern | 20 Jahre | 15. Dezember des Schuljahres, in dem die Abiturprüfung abgelegt werden soll | - | GSO § 60 Abs. 1 und Abs. 3 |
| Berlin | - | 15. November des Vorjahres der Prüfung, Ausschlussfrist | 100 Euro | PrüfVO-Nichtschülerabitur § 11 Absatz 1 |
| Brandenburg | 19 Jahre | 1. November des Schuljahres, in dem die Prüfung stattfindet; für das Schuljahr 2026/2027 nennt das Ministerium den 31. Oktober 2026 | 135 Euro | NschPV § 3 Absatz 1 bis 3 |
| Bremen | - | 31. Oktober für den Prüfungsdurchgang im April/Mai | 0 Euro | NSP-V § 12 Absatz 2 Nummer 2 |
| Hamburg | - | Meldeschluss 1. Juli für die Herbstprüfung, 1. Dezember des Vorjahres für die Frühjahrsprüfung; Anmeldezeitraum 1. Juni bis 1. Juli beziehungsweise 1. Oktober bis 1. Dezember | 400 Euro | ExPO § 5 Absatz 1 |
| Hessen | 19 Jahre | 15. Dezember des der Prüfung vorangehenden Jahres, Ausschlussfrist | 325 Euro | OAVO § 43 Abs. 1 |
| Mecklenburg-Vorpommern | - | 15. Januar des laufenden Schuljahres | - | APVO M-V § 77 Absatz 1 |
| Niedersachsen | 19 Jahre | 1. Februar eines jeden Jahres, Ausschlusstermin | - | AVO-WaNi § 5 Abs. 4 |
| Nordrhein-Westfalen | 18 Jahre | 1. September | - | PO-Externe-A § 4 Abs. 3 Satz 1 |
| Rheinland-Pfalz | 19 Jahre | 1. April eines Jahres | - | AbiNSchPrO RP § 6 Abs. 1 |
| Saarland | - | - | - | KMK-Vereinbarung Nichtschülerabitur Ziffer 1.1 und 1.2 |
| Sachsen | - | 15. Oktober des Schuljahres | - | SOGYA § 72 Abs. 1 |
| Sachsen-Anhalt | - | 1. Februar eines jeden Jahres beim Landesschulamt; danach Meldung an der zugewiesenen Schule bis zum 15. März | - | NSchAP-VO § 3 Abs. 2 und 3 |
| Schleswig-Holstein | - | - | - | APVO-EW § 4 Abs. 4 |
| Thüringen | 18 Jahre | 1. Februar des Prüfungsjahres | - | ThürSchulO § 112 Abs. 1 und 2 |
8 häufige Fragen zur Externenprüfung
Was ist die Externenprüfung zum Abitur?
Die Externenprüfung zum Abitur ist eine staatliche Abiturprüfung für Menschen, die keine Schule besucht haben. Sie führt zur selben allgemeinen Hochschulreife wie das Abitur am Gymnasium. Die Länder nennen sie unterschiedlich, unter anderem Nichtschülerprüfung, Schulfremdenprüfung, Abiturprüfung für Externe oder Abiturprüfung für andere Bewerberinnen und Bewerber.
Braucht man für die Externenprüfung einen Schulabschluss?
Für die Externenprüfung braucht man in elf von sechzehn Bundesländern keinen Schulabschluss. Baden-Württemberg, Bayern und Hessen verlangen einen mittleren Schulabschluss, für das Saarland und Schleswig-Holstein ließ sich dazu keine Fundstelle sichern. Wer nur einen Hauptschulabschluss hat, kann sich in den elf übrigen Ländern also direkt zur Abiturprüfung melden.
Was kostet die Externenprüfung zum Abitur?
Die Externenprüfung zum Abitur kostet je nach Bundesland zwischen null und 400 Euro. Baden-Württemberg und Bremen erheben keine Gebühr, Berlin verlangt 100 Euro, Brandenburg 135 Euro, Hessen 325 Euro und Hamburg 400 Euro. Für die übrigen zehn Länder ließ sich kein Betrag belegen, was keine Gebührenfreiheit bedeutet.
Bis wann muss man sich für die Externenprüfung anmelden?
Für die Externenprüfung muss man sich je nach Bundesland zwischen dem 1. September und dem 1. April anmelden. Nordrhein-Westfalen hat mit dem 1. September den frühesten Meldeschluss, Rheinland-Pfalz mit dem 1. April den spätesten. Berlin, Hessen und Niedersachsen führen ihre Frist ausdrücklich als Ausschlussfrist, verspätete Anträge sind dort also endgültig zu spät.
Genügt Selbststudium als Vorbereitung auf die Externenprüfung?
Ob Selbststudium als Vorbereitung auf die Externenprüfung genügt, regelt jedes Land selbst, und die Länder entscheiden gegensätzlich. Nordrhein-Westfalen nennt in Paragraf 4 Absatz 3 der Externen-Abiturprüfungsordnung das Selbststudium ausdrücklich als geeigneten Weg. Niedersachsen verlangt dagegen nach Paragraf 5 Absatz 4 Nummer 2 AVO-WaNi die Teilnahme an Kursen in anerkannten Einrichtungen oder an Fernlehrgängen, reines Selbststudium reicht dort nicht.
Wo wird die Externenprüfung abgelegt?
Die Externenprüfung wird an einer Schule abgelegt, die die Schulaufsicht zuweist. In Nordrhein-Westfalen sind das Gymnasien, Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe und Weiterbildungskollegs. Bayern schließt Abendgymnasien und Kollegs dagegen ausdrücklich aus, dort wird nach Paragraf 59 Absatz 1 der Gymnasialschulordnung nur an öffentlichen Gymnasien geprüft.
Gibt es BAföG für die Vorbereitung auf die Externenprüfung?
Für die eigenständige Vorbereitung auf die Externenprüfung gibt es kein BAföG. Paragraf 2 Absatz 1 Satz 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes setzt voraus, dass die Ausbildung an einer öffentlichen Einrichtung oder einer genehmigten Ersatzschule stattfindet, und die eigenständige Vorbereitung auf eine Prüfung ist keine solche Ausbildung. Einen Fernlehrgang fördert Paragraf 3 nur ausnahmsweise, für höchstens die letzten zwölf Monate vor dem Abschluss und nur, wenn der Lehrgang die volle Arbeitskraft beansprucht. Regelmäßig gefördert wird der Besuch eines Kollegs und, für die letzten drei Schulhalbjahre, eines Abendgymnasiums.
Wie viele Fächer werden in der Externenprüfung geprüft?
In der Externenprüfung werden mehr Fächer geprüft als im regulären Abitur. Bayern und Nordrhein-Westfalen sehen jeweils acht Prüfungsfächer vor, vier davon schriftlich und gegebenenfalls zusätzlich mündlich, vier weitere nur mündlich. In Bayern müssen darunter Deutsch, Geschichte, Mathematik, eine Naturwissenschaft und zwei Fremdsprachen sein.
Woher die Angaben zur Externenprüfung stammen
- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Gymnasialschulordnung, Paragraf 59 Absatz 1 zum Prüfungsort und Paragraf 60 Absatz 3 zur Zulassung. Abgerufen am .
- Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Externen-Abiturprüfungsordnung, Paragraf 4 Absatz 3 Satz 1. Abgerufen am .
- Niedersächsisches Kultusministerium: AVO-WaNi, Paragraf 5 Absatz 4 zur Zulassung von Nichtschülerinnen und Nichtschülern. Abgerufen am .
- Abgeordnetenhaus von Berlin: PrüfVO-Nichtschülerabitur, Paragraf 11 Absatz 1 zur Antragsfrist. Abgerufen am .
- Landesrecht Brandenburg: Nichtschülerprüfungsverordnung, Paragraf 3 und Paragraf 30 zur Gebühr. Abgerufen am .
- Freie und Hansestadt Hamburg: Externenprüfungsordnung, Paragraf 5 Absatz 1 zum Meldeschluss. Abgerufen am .
- Hessisches Kultusministerium: Oberstufen- und Abiturverordnung, Paragraf 43 Absatz 1. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz: Bundesausbildungsförderungsgesetz, Paragraf 2 Absatz 1 Satz 3. Abgerufen am .