Abitur an der Volkshochschule (VHS) gibt es in 4 von 16 Bundesländern
Von 57 erhobenen Volkshochschulen mit Schulabschlusslehrgang führen 20 bis zum Abitur, je nach Land über ein eigenes Abendgymnasium, einen Lehrgang des zweiten Bildungswegs oder die Vorbereitung auf die Externenprüfung. Die übrigen 37 enden beim Haupt- oder Realschulabschluss.

Volkshochschulen führen in vielen Städten Lehrgänge zu Schulabschlüssen. Bis zum Abitur führen sie in vier Bundesländern, nämlich in Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen. Wie der Weg dort aussieht, hängt vom Land ab. In Baden-Württemberg betreibt die Volkshochschule ein eigenes Abendgymnasium, also eine Schule, die Berufstätige abends zum Abitur führt. In Brandenburg führt sie einen Lehrgang des zweiten Bildungswegs, also des Weges zum Schulabschluss für Erwachsene. In Thüringen bereitet sie auf die Externenprüfung vor. Das ist die Abiturprüfung ohne vorherigen Schulbesuch, und sie findet an einem staatlichen Gymnasium statt. In den übrigen Ländern enden die Lehrgänge beim Hauptschulabschluss oder beim mittleren Schulabschluss, oder es gibt sie gar nicht. Wer das Abitur an der Volkshochschule machen will, fragt deshalb zuerst, welchen Abschluss die Volkshochschule am eigenen Ort vergibt.
20 von 57 Volkshochschulen mit Schulabschlusslehrgang führen zum Abitur
Erhoben wurde am 2. September 2026, welchen Schulabschluss Volkshochschulen vergeben, nicht welche Kurse sie anbieten. 20 der 57 Häuser führen zur allgemeinen Hochschulreife, 37 nicht. In 9 Bundesländern fand die Erhebung keine Volkshochschule mit Schulabschlusslehrgang. Volkshochschulen gibt es dort trotzdem, nur führte in der Erhebung keine von ihnen einen Lehrgang zu einem Schulabschluss.
Für das Abitur zählt, ob die Volkshochschule einen Bildungsgang führt oder nur einen Vorbereitungskurs. Ein Bildungsgang endet mit einem Zeugnis der Schule selbst. Ein Vorbereitungskurs endet mit einer Prüfung, die eine andere Stelle abnimmt, meist ein staatliches Gymnasium, und für das Ergebnis steht die Volkshochschule nicht ein.
Fast alle Abiturlehrgänge an Volkshochschulen liegen in Baden-Württemberg, Brandenburg und Thüringen
In der Tabelle steht je Land, wie viele Häuser erhoben wurden und wie viele davon bis zum Abitur führen. Niedersachsen kommt mit der Volkshochschule Göttingen auf genau ein Haus. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin führen Lehrgänge, aber keinen bis zum Abitur.
| Bundesland | Erhobene Häuser | Bis zum Abitur | Ohne Abitur |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 17 | 10 | 7 |
| Berlin | 5 | 0 | 5 |
| Brandenburg | 9 | 4 | 5 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 7 | 0 | 7 |
| Niedersachsen | 7 | 1 | 6 |
| Schleswig-Holstein | 7 | 0 | 7 |
| Thüringen | 5 | 5 | 0 |
| Zusammen | 57 | 20 | 37 |
3 Wege zum Abitur an der VHS, je nach Bundesland
Wo eine Volkshochschule zum Abitur führt, tut sie das je nach Bundesland auf einer anderen rechtlichen Grundlage. Davon hängt ab, wer am Ende das Zeugnis ausstellt und wo die Prüfung stattfindet.
In Baden-Württemberg betreibt die Volkshochschule ein eigenes Abendgymnasium
In Baden-Württemberg betreiben 10 Volkshochschulen ein staatlich anerkanntes Abendgymnasium, also eine Schule, die Berufstätige abends zum Abitur führt. Solche Abendgymnasien gibt es unter anderem in Freiburg im Breisgau, Göppingen, Heidelberg, Karlsruhe. Rechtlich ist das kein Kursangebot, sondern eine Schule mit einem Bildungsgang nach der Abendgymnasien-Verordnung. Zeugnis und Abiturprüfung kommen von dieser Schule.
In Brandenburg führt die Volkshochschule einen Lehrgang des zweiten Bildungswegs bis zum Abitur
Der zweite Bildungsweg ist der Weg zum Schulabschluss für Erwachsene, die die Schule schon verlassen haben. Brandenburg führt die Begriffe Abendgymnasium und Kolleg amtlich nicht, sondern regelt beides in der Verordnung über die Schulen des Zweiten Bildungsweges. Der Lehrgang in Teilzeit an einer Volkshochschule, der auf einen Schulabschluss zielt, steht dort gleichberechtigt daneben. In Brandenburg führen 4 Volkshochschulen darüber bis zur allgemeinen Hochschulreife. Eine davon trägt den Namen ZBW an Volkshochschule Havelland, wobei ZBW für Zweiter Bildungsweg steht.
In Thüringen bereitet die Volkshochschule auf die Externenprüfung vor
In Thüringen unterrichten 5 Volkshochschulen auf die Externenprüfung hin, also auf die Abiturprüfung ohne vorherigen Schulbesuch. Abgelegt wird sie an einem staatlichen Gymnasium, deshalb stellt die Volkshochschule kein Zeugnis aus. Thüringen führt kein Abendgymnasium, und so ist dieser Weg dort verbreiteter als anderswo. Die Anforderungen der Externenprüfung regelt in Thüringen Paragraf 112 der Thüringer Schulordnung.
Lehrgänge an 20 Volkshochschulen im Norden enden beim Haupt- oder Realschulabschluss
In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern führen 20 der erhobenen Volkshochschulen Schulabschlusslehrgänge, aber keinen bis zum Abitur. Sie enden beim Hauptschulabschluss oder beim mittleren Schulabschluss. Für Erwachsene ohne Schulabschluss sind diese Lehrgänge der passende Einstieg. Wer schon einen Realschulabschluss hat, braucht sie nicht mehr.
Wer danach das Abitur will, kann an ein Abendgymnasium oder ein Kolleg wechseln. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gibt es kein Kolleg, dort bleibt nur ein Kolleg in einem anderen Bundesland. Der dritte Weg ist die Externenprüfung, also die Abiturprüfung ohne vorherigen Schulbesuch, für die elf Bundesländer keinen bestimmten Schulabschluss vorschreiben.
Lehrgänge an der VHS kosten 0 bis 50 Euro im Monat, für 48 Häuser fehlt der Betrag
Eine Angabe zum Beitrag gibt es für 9 der 57 erhobenen Häuser. Davon sind 7 ausdrücklich beitragsfrei, alle in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere 2 nennen einen monatlichen Betrag, der höchste ist 50 Euro für das Abendgymnasium der Volkshochschule Rheinfelden. Für 48 Häuser stand auf der geprüften Internetseite kein Preis.
Ein fehlender Preis bedeutet nicht, dass der Lehrgang kostenlos ist. Fragen Sie deshalb vor der Anmeldung nach Lehrgangsgebühr, Anmeldegebühr und Materialkosten. Die Volkshochschule Rheinfelden etwa verlangt zusätzlich zu den monatlichen Kosten eine einmalige Anmeldegebühr.
Häufige Fragen zum Abitur an der Volkshochschule
Kann man an der Volkshochschule das Abitur machen?
An der Volkshochschule kann man das Abitur nur in vier Bundesländern machen, nämlich in Baden-Württemberg, Brandenburg, Thüringen und an einer einzigen Volkshochschule in Niedersachsen. Von 57 erhobenen Volkshochschulen mit Schulabschlusslehrgang führen 20 zur allgemeinen Hochschulreife, die übrigen 37 enden beim Haupt- oder mittleren Schulabschluss.
Warum führt die Volkshochschule in Baden-Württemberg zum Abitur?
In Baden-Württemberg führt die Volkshochschule zum Abitur, weil dort 10 Volkshochschulen ein eigenes staatlich anerkanntes Abendgymnasium betreiben, unter anderem in Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe und Ulm. Ein Abendgymnasium ist eine Schule, die Berufstätige abends zum Abitur führt. Rechtlich ist das kein Volkshochschulkurs, sondern eine Schule mit eigenem Bildungsgang nach der Abendgymnasien-Verordnung.
Was ist das ZBW an einer Volkshochschule in Brandenburg?
Das ZBW an einer Volkshochschule in Brandenburg ist der Zweite Bildungsweg, also der Weg zum Schulabschluss für Erwachsene, in Form eines Lehrgangs in Teilzeit. Brandenburg führt die Begriffe Abendgymnasium und Kolleg amtlich nicht, sondern regelt beides in der Verordnung über die Schulen des Zweiten Bildungsweges. In Brandenburg führen 4 Volkshochschulen über diesen Lehrgang bis zur allgemeinen Hochschulreife.
Wie läuft der Weg zum Abitur über eine Volkshochschule in Thüringen?
In Thüringen bereiten 5 Volkshochschulen auf die Externenprüfung vor, also auf die Abiturprüfung ohne vorherigen Schulbesuch. Die Prüfung selbst wird an einem staatlichen Gymnasium abgelegt. Die Volkshochschule vergibt also kein Zeugnis, sondern unterrichtet auf eine staatliche Prüfung hin. Thüringen führt kein Abendgymnasium, deshalb ist dieser Weg dort besonders verbreitet.
Was kostet ein Schulabschlusslehrgang an der Volkshochschule?
Ein Schulabschlusslehrgang an der Volkshochschule kostet dort, wo ein Betrag belegt ist, 0 bis 50 Euro im Monat. In Mecklenburg-Vorpommern sind 7 erhobene Volkshochschulen beitragsfrei, das Abendgymnasium der Volkshochschule Rheinfelden verlangt 50 Euro im Monat. Für 48 der 57 erhobenen Häuser stand in der geprüften Quelle kein Betrag, dort hilft nur die Nachfrage vor Ort.
Welche Abschlüsse vergeben Volkshochschulen außer dem Abitur?
Volkshochschulen vergeben vor allem den Hauptschulabschluss und den mittleren Schulabschluss. In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern enden die Lehrgänge an 20 der erhobenen Volkshochschulen bei einem dieser beiden Abschlüsse. Wer nach einem solchen Lehrgang zum Abitur will, braucht danach ein Abendgymnasium, ein Kolleg oder die Externenprüfung.
Woher die Angaben zu den Volkshochschulen stammen
- Landesrecht Brandenburg: Verordnung über die Schulen des Zweiten Bildungsweges, Paragraf 3 Absatz 2, zu den schulabschlussbezogenen Lehrgängen an Volkshochschulen. Abgerufen am .
- Landtag von Baden-Württemberg: Abendgymnasien-Verordnung, Paragraf 1 und Paragraf 4. Abgerufen am .
- Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport: Thüringer Schulordnung, Paragraf 112 zur externen Abiturprüfung. Abgerufen am .
- Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport: Thüringer Schulgesetz, Paragraf 4 Absatz 1, ohne Abendgymnasium als Schulart. Abgerufen am .