Fachhochschulreife nachholen, am Abendgymnasium oder Kolleg auf dem Weg zum Abitur
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem fachpraktischen Teil. Abendgymnasium und Kolleg vergeben den schulischen Teil unterwegs zum Abitur, den fachpraktischen Teil deckt in vielen Ländern eine abgeschlossene Berufsausbildung ab.

Die Fachhochschulreife, umgangssprachlich Fachabi, berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule. Auf dem zweiten Bildungsweg, also an Schulen für Erwachsene wie Abendgymnasium und Kolleg, ist sie kein eigener Bildungsgang, sondern ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Abitur. Den schulischen Teil haben Sie nach der einjährigen Einführungsphase und zwei weiteren Halbjahren, in der Regel also nach zwei Jahren. An staatlichen und kommunalen Schulen zahlen Sie dafür kein Schulgeld. Von 87 erhobenen Einrichtungen, die die Fachhochschulreife vergeben, führen 86 zugleich zur allgemeinen Hochschulreife.
Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem fachpraktischen Teil
Den schulischen Teil erwirbt, wer mindestens zwei Schulhalbjahre der Qualifikationsphase in der gymnasialen Oberstufe besucht hat. Die Qualifikationsphase sind die letzten beiden Jahre der Oberstufe, deren Noten ins Abitur zählen. So beschreibt es die Kultusministerkonferenz, in der sich die Schulminister der Länder abstimmen. Für die Aufnahme eines Fachhochschulstudiums kommt ein fachpraktischer Teil dazu, der sich nach den Bestimmungen des jeweiligen Landes richtet. Beides zusammen ergibt die Fachhochschulreife.
Ein Abendgymnasium, das die Fachhochschulreife ausweist, meint fast immer nur den schulischen Teil. Mehrere Schulen sagen das auch selbst, etwa das Abendgymnasium Oldenburg und das Abendgymnasium Prenzlauer Berg in Berlin. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung hat, bringt den fachpraktischen Teil in vielen Ländern schon mit, und wer keine hat, muss ihn zusätzlich nachweisen.
86 der 87 Einrichtungen mit Fachhochschulreife führen auch zum Abitur
Nur eine einzige Einrichtung in der Erhebung vom 2. September 2026 vergibt die Fachhochschulreife, ohne zugleich zum Abitur zu führen. Wer die Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg sucht, meldet sich deshalb an einem Abendgymnasium oder Kolleg an und steigt unterwegs aus, statt einen eigenen Bildungsgang zu belegen.
| Schulart | Einrichtungen |
|---|---|
| Abendgymnasium | 36 |
| Weiterbildungskolleg | 25 |
| Kolleg | 19 |
| Schule des zweiten Bildungswegs | 6 |
| Volkshochschule mit Schulabschlüssen | 1 |
| Zusammen | 87 |
Den schulischen Teil der Fachhochschulreife haben Sie nach zwei Halbjahren der Qualifikationsphase
Deshalb erreichen Sie die Fachhochschulreife ein Jahr früher als das Abitur. Nach der einjährigen Einführungsphase, dem ersten Jahr der Oberstufe, folgt die Qualifikationsphase, und schon deren ersten beiden Halbjahre genügen für den schulischen Teil. Die Kultusministerkonferenz nennt das als frühesten Zeitpunkt, und festgestellt wird der schulische Teil auf Antrag. Das Abendgymnasium am Fördegymnasium Flensburg nennt dafür den Abschluss der Jahrgangsstufe 12, das Abendgymnasium Ulm den Abschluss der Klasse 3, das Zentrum für den Zweiten Bildungsweg am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum Oberhavel ebenfalls die Jahrgangsstufe 12.
Wer nach dem schulischen Teil weitermacht, verliert nichts. Die beiden Halbjahre zählen für das Abitur weiter, es folgen zwei weitere und die Abiturprüfung. Die Fachhochschulreife ist damit auch eine Absicherung: Wer die Abiturprüfung nicht besteht, steht nicht ohne Abschluss da.
Bayern und Sachsen vergeben die Fachhochschulreife nicht über die gymnasiale Oberstufe
Die Kultusministerkonferenz hält für Bayern und Sachsen ausdrücklich fest, dass diese beiden Länder den Erwerb der Fachhochschulreife über die gymnasiale Oberstufe nicht vorsehen. Die Erhebung der Schulen bestätigt das: Unter den 87 Einrichtungen mit Fachhochschulreife steht keine aus einem dieser Länder. Wer dort wohnt, erreicht die Fachhochschulreife über die Berufsoberschule oder die Fachoberschule, zwei berufliche Schulen, und nicht über das Abendgymnasium.
| Bundesland | Einrichtungen |
|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 25 |
| Baden-Württemberg | 18 |
| Hessen | 18 |
| Niedersachsen | 6 |
| Rheinland-Pfalz | 4 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 3 |
| Berlin | 2 |
| Brandenburg | 2 |
| Hamburg | 2 |
| Saarland | 2 |
| Sachsen-Anhalt | 2 |
| Schleswig-Holstein | 2 |
| Bremen | 1 |
Keine erhobene Einrichtung mit Fachhochschulreife gibt es in Bayern, Sachsen, Thüringen. Für Bayern und Sachsen deckt sich das mit der Auskunft der Kultusministerkonferenz. Bei den übrigen Ländern heißt eine fehlende Zeile nur, dass keine erhobene Einrichtung die Fachhochschulreife ausweist, nicht dass sie dort ausgeschlossen wäre.
Die Fachhochschulreife berechtigt zur Fachhochschule, das Abitur zu jeder Hochschule
Mit der allgemeinen Hochschulreife steht jedes Fach an jeder deutschen Hochschule offen, Universität eingeschlossen. Die Fachhochschulreife berechtigt zum Studium an Fachhochschulen; einzelne Länder öffnen darüber hinaus bestimmte Studiengänge an Universitäten, und was dort gilt, regelt das jeweilige Hochschulgesetz.
Wer Medizin, Jura oder ein Lehramt studieren will, braucht deshalb das Abitur. Wer ein Ingenieur-, Sozial- oder Wirtschaftsfach an einer Fachhochschule anstrebt, kommt mit der Fachhochschulreife aus und spart dabei zwei Halbjahre. Zum vollen Abitur führen acht Wege, vom Abendgymnasium bis zur Externenprüfung.
7 häufige Fragen zur Fachhochschulreife
Was ist die Fachhochschulreife?
Die Fachhochschulreife ist der Abschluss, der zum Studium an einer Fachhochschule berechtigt. Sie besteht aus zwei Teilen. Den schulischen Teil erwirbt, wer mindestens zwei Schulhalbjahre der Qualifikationsphase in der gymnasialen Oberstufe besucht hat. Der fachpraktische Teil richtet sich nach dem Recht des jeweiligen Landes.
Reicht der schulische Teil der Fachhochschulreife für ein Studium?
Der schulische Teil der Fachhochschulreife reicht für ein Fachhochschulstudium nicht aus. Erst zusammen mit dem fachpraktischen Teil entsteht die volle Fachhochschulreife. Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung mitbringt, hat den fachpraktischen Teil in vielen Ländern damit bereits erfüllt, die genauen Bedingungen legt jedes Land selbst fest.
Wo kann man die Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg nachholen?
Die Fachhochschulreife lässt sich auf dem zweiten Bildungsweg an 87 der 235 erhobenen Einrichtungen erwerben, vor allem an Abendgymnasien, Kollegs und Weiterbildungskollegs. 86 dieser Einrichtungen führen zugleich zum Abitur, denn der schulische Teil der Fachhochschulreife entsteht unterwegs auf dem Weg dorthin.
In welchen Bundesländern führt die gymnasiale Oberstufe nicht zur Fachhochschulreife?
In Bayern und Sachsen führt die gymnasiale Oberstufe nicht zur Fachhochschulreife, das hält die Kultusministerkonferenz ausdrücklich fest. Unter den 235 erhobenen Einrichtungen des zweiten Bildungswegs vergibt entsprechend keine bayerische oder sächsische die Fachhochschulreife.
Was ist der Unterschied zwischen Fachhochschulreife und Abitur?
Der Unterschied zwischen Fachhochschulreife und Abitur liegt in der Studienberechtigung. Die allgemeine Hochschulreife berechtigt zum Studium jedes Fachs an jeder deutschen Hochschule, die Fachhochschulreife nur zum Studium an Fachhochschulen. Einige Länder öffnen darüber hinaus einzelne Studiengänge an Universitäten, das regelt jedes Land selbst.
Wie lange dauert es bis zur Fachhochschulreife am Abendgymnasium?
Bis zum schulischen Teil der Fachhochschulreife dauert es am Abendgymnasium in der Regel zwei Jahre. Auf ein Jahr Einführungsphase folgen zwei Halbjahre der Qualifikationsphase, danach ist der schulische Teil erreicht. Mehrere Schulen nennen dafür das Ende der Jahrgangsstufe 12. Wer ohne mittleren Schulabschluss beginnt, braucht zusätzlich einen Vorkurs. Zum vollen Abitur folgen danach zwei weitere Halbjahre und die Abiturprüfung.
Kostet die Fachhochschulreife am Abendgymnasium Schulgeld?
Die Fachhochschulreife am Abendgymnasium kostet an staatlichen und kommunalen Schulen kein Schulgeld, denn sie entsteht innerhalb des regulären Bildungsgangs. Wer sie stattdessen über einen privaten Fernlehrgang anstrebt, zahlt die Lehrgangsgebühr des Anbieters, die im Vertrag steht.
Woher die Angaben zur Fachhochschulreife stammen
- Kultusministerkonferenz: Fachhochschulreife, schulischer und fachpraktischer Teil sowie die Ausnahme für Bayern und Sachsen. Abgerufen am .
- Kultusministerkonferenz: Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung, Rahmenvorgaben zum schulischen Teil der Fachhochschulreife. Abgerufen am .
- Kultusministerkonferenz: Vereinbarung über den Erwerb der Fachhochschulreife in beruflichen Bildungsgängen, Beschluss vom 05.06.1997. Abgerufen am .