Abitur nachholen: Was bringt es? Studiengang, Gehalt und Aufstieg

Was das nachgeholte Abitur bringt: alle Studiengänge an allen Hochschulen, beruflichen Aufstieg im öffentlichen Dienst und unbefristete Berechtigung.

Geprüft von Ramon W. Tissler, Director der MADE-WITH.AI LTDZuletzt geprüft am

Das nachgeholte Abitur bringt dreierlei: die Berechtigung zu jedem Studiengang an jeder deutschen Hochschule, den Zugang zu Laufbahnen im gehobenen und höheren Dienst, die eine Hochschulreife voraussetzen, und eine formal gleichwertige Qualifikation, die unbefristet gilt. Das Zeugnis weist den Abschluss aus, nicht den Weg dorthin.

Was das nachgeholte Abitur vom ersten unterscheidet: nichts

Wer das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholt, erhält dieselbe allgemeine Hochschulreife wie ein Abiturient vom Gymnasium. Das gilt bundesweit: Das Zeugnis berechtigt zum Studium aller Fächer an allen Hochschulen, ohne Fachbindung und ohne dass ein Auswahlverfahren fragt, auf welchem Weg die Berechtigung erworben wurde.

Das unterscheidet die Hochschulreife von vielen anderen Abschlüssen: Sie ist nicht an eine Schule, eine Region oder einen Zeitpunkt gebunden.

  • Sie verfällt nicht, kann also auch Jahre später eingelöst werden.
  • Sie ist bundesweit anerkannt und berechtigt in jedem Bundesland.
  • Sie gilt an Universitäten, Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen.
  • Sie ist Voraussetzung für Laufbahnen im gehobenen und höheren Dienst des öffentlichen Dienstes.

Welche Wege dorthin führen, beschreibt die Seite zum zweiten Bildungsweg.

Studiengang: jedes Fach an jeder Hochschule

Der Kern des Vorteils liegt in der Berechtigung. Die allgemeine Hochschulreife ist die einzige Hochschulzugangsberechtigung ohne Fachbindung, also der Zugang zu allen Studiengängen an allen Hochschulen. Zulassungsbeschränkungen wie der Numerus clausus beziehen sich auf die Note im Zeugnis, nicht auf die Art oder den Zeitpunkt des Erwerbs.

Für Interessierte am zweiten Bildungsweg lohnt der Blick auf die Alternativen, denn nicht jeder Weg führt zur vollen Berechtigung:

AbschlussÖffnetBindungEignung
Allgemeine Hochschulreifealle Studiengänge an allen Hochschulenkeinewer noch offen ist für ein Universitätsstudium
Fachgebundene Hochschulreifebestimmte Fächer an UniversitätenFächer abhängig von der Fachrichtungwer schon früh ein festes Ziel hat
FachhochschulreifeStudiengänge an Fachhochschuleninstitutionell beschränktwer sicher an einer Fachhochschule studieren will

Die Fachhochschulreife ist dabei nicht die schlechtere Wahl, sondern die schnellere: Wer schon weiß, dass ein Fachhochschulstudium reicht, spart Zeit. Der Vergleich steht auf der Seite zur Fachhochschulreife. Wer beides offenhalten will, wählt den Bildungsgang, der beide Abschlüsse führt.

Gehalt: was die Qualifikation wert ist

Auf dem Arbeitsmarkt wirken zwei Mechanismen, und nur einer von ihnen lässt sich anfassen. Der erste ist die Berechtigung: Viele Positionen setzen eine Hochschulreife oder ein abgeschlossenes Studium zwingend voraus, vom höheren Dienst über viele Führungsaufgaben bis zu Berufen mit Studienpflicht. Ohne die Qualifikation sind diese Wege verschlossen, ganz unabhängig vom Gehalt.

Der zweite Mechanismus sind die Einkommen selbst. Statistisch verdienen Beschäftigte mit Hochschulreife im Schnitt mehr als Beschäftigte ohne, aber solche Durchschnittswerte sagen über den Einzelfall wenig aus: Sie mischen Branchen, Regionen und Berufserfahrung, und ein erfahrener Geselle mit Personalverantwortung verdient oft mehr als ein Berufsanfänger mit Abitur.

Deshalb gilt: Wer konkrete Zahlen sucht, sollte sie für das eigene Zielstudium und die eigene Branche recherchieren und nicht aus Durchschnittswerten ableiten. Der belastbare Vorteil des Abiturs liegt nicht in einem pauschalen Gehaltszuschlag, sondern in den Türen, die es öffnet.

Aufstieg: Laufbahnen, die ohne Hochschulreife verschlossen bleiben

Der Aufstieg im öffentlichen Dienst ist der am besten sichtbare Vorteil, denn dort ist die Hochschulreife vielfach formal Voraussetzung. Der gehobene Dienst an einer Fachhochschule des Bundes oder eines Landes verlangt die Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife, der höhere Dienst in der Regel ein abgeschlossenes Universitätsstudium.

Dasselbe Muster zeigt sich in großen Teilen der Privatwirtschaft: Personalverantwortung, Ausbilderschein, Fachwirt- und Meisterstufen mit Anschluss an ein Studium, Führungsaufgaben in technischen und kaufmännischen Berufen. Nicht alle verlangen formal das Abitur, aber die Wege dorthin verkürzen sich mit der Qualifikation deutlich.

  • Gehobener Dienst: Voraussetzung ist eine Hochschulreife plus Fachstudium.
  • Höherer Dienst: Voraussetzung ist in der Regel ein Universitätsabschluss, der das Abitur voraussetzt.
  • Betriebsleitung und Personalverantwortung: Hochschulreife ist oft implizit Erwartung.

Wichtig für alle, die schon in Arbeit stehen: Das Abitur ersetzt Berufserfahrung nicht, es ergänzt sie. Wer den zweiten Bildungsweg geht, bringt die Erfahrung mit und kombiniert sie mit der formalen Qualifikation.

Persönliche Effekte, die nicht ins Gehalt passen

Neben den harten Vorteilen berichten viele Absolventinnen und Absolventen des zweiten Bildungswegs von Effekten, die sich nicht in Euro messen lassen. Wer als Erwachsener das Abitur nachholt, lernt strukturiertes Arbeiten, Zeitmanagement und Selbstdisziplin in einer Weise, die der Schulalltag eines Sechzehnjährigen nicht verlangt. Das gilt besonders für den neben dem Beruf laufenden Unterricht an einem Abendgymnasium oder einem Kolleg.

Hinzu kommt das Gefühl, eine offene Rechnung bezahlt zu haben. Wer die Schule ohne Abschluss verlassen hat, weil Umstände, Motivation oder Entscheidungen damals nicht passten, kann das korrigieren. Das wirkt sich auf das Selbstbild aus und oft genug auch darauf, wie die Umgebung die Person wahrnimmt.

Und schließlich: Das nachgeholte Abitur ist ein Argument für die eigene Familie. Wer vor Kindern vorlebt, dass Lernen nicht mit der Schulzeit endet, verändert deren Bild von Bildung.

Wem es nichts bringt, und wer trotzdem profitiert

Ehrlichkeit gehört dazu: Nicht jedem bringt das nachgeholte Abitur etwas. Wer in einem Handwerk oder in der Pflege fest steht, dort aufsteigen kann und zufrieden ist, braucht die allgemeine Hochschulreife nicht zwingend. Die Fachhochschulreife oder eine berufliche Weiterbildung wie der Meister führen oft dasselbe Ziel schneller.

Die Entscheidungshilfe ist eine ehrliche Antwort auf drei Fragen:

  1. Steht mein Ziel noch aus, oder bin ich schon dort, wo ich hin will?
  2. Verlangt mein Ziel eine Hochschulreife, und wenn ja, welche?
  3. Bin ich bereit, die Zeit und Energie zu investieren, die der Weg dauert?

Wer die dritte Frage mit Nein beantwortet, sollte warten. Die Berechtigung verfällt nicht, der Weg bleibt offen. Wer unsicher ist, ob die Fachhochschulreife genügt, findet den Vergleich auf der Seite zur Fachhochschulreife; wer die schulische Alternative sucht, beim beruflichen Gymnasium.

Der Preis des Vorteils: Zeit, Geld und Ausdauer

Der Vorteil hat einen Preis, und der ist auf dem zweiten Bildungsweg erheblich. Je nach Ausgangsqualifikation dauert der Weg bis zum Abitur mehrere Jahre, bei einem Fernstudium oder einer Abendschule neben dem Beruf entsprechend lang. Dazu kommen Lebenshaltung in einer Phase, in der Kolleginnen und Kollegen Geld verdienen, und Prüfungsdruck in einem Lebensalter, in dem Familie und Beruf bereits Ansprüche stellen.

WegTypische DauerNeben dem BerufVollzeit
Abendgymnasiummehrere Jahre, je nach Vorbildungjanein
Kollegmehrere Jahre, je nach Vorbildungneinja
Externenprüfunglandesabhängig geregeltjaVorbereitung frei
Fernstudiumje nach Lehrgangjanein

Die genauen Dauern und Voraussetzungen je Weg stehen auf den Seiten zum Ablauf und zur Dauer und zum Weg zum Abitur. Die Kosten im Detail behandelt der Artikel zu den Kosten des Abiturs nachholen.

Häufige Fragen

Bringt ein nachgeholtes Abitur dasselbe wie ein reguläres?

Ja. Das nachgeholte Abitur ist dieselbe allgemeine Hochschulreife wie das am Gymnasium erworbene. Das Zeugnis berechtigt zum Studium aller Fächer an allen deutschen Hochschulen, und kein Auswahlverfahren fragt nach dem Weg des Erwerbs.

Verfällt das nachgeholte Abitur, wenn ich nicht gleich studiere?

Nein. Die allgemeine Hochschulreife gilt unbefristet. Sie können sofort studieren oder erst Jahre später, zum Beispiel nach einer Familienphase oder einer Berufsausbildung. Befristet sind nur einzelne Bewerbungsfristen, nicht die Berechtigung.

Kann ich mit dem nachgeholten Abitur in den öffentlichen Dienst aufsteigen?

Ja. Der gehobene Dienst verlangt eine Hochschulreife plus ein Fachstudium, der höhere Dienst in der Regel ein abgeschlossenes Universitätsstudium. Die allgemeine Hochschulreife vom zweiten Bildungsweg erfüllt diese Voraussetzungen genauso wie die vom Gymnasium.

Steigt mein Gehalt automatisch mit dem Abitur?

Nein, nicht automatisch. Das Abitur öffnet Wege zu Berufen und Positionen, die ohne die Qualifikation verschlossen bleiben, und diese Positionen sind im Schnitt besser bezahlt. Aber es gibt keinen pauschalen Gehaltszuschlag, und die konkreten Verdienste hängen von Branche, Region und Berufserfahrung ab.

Reicht die Fachhochschulreife statt des Abiturs?

Das hängt vom Ziel ab. Für ein Studium an einer Fachhochschule reicht die Fachhochschulreife, für die Universität in der Regel nicht. Wer noch offen ist für ein Universitätsstudium oder den höheren Dienst anstrebt, sollte die allgemeine Hochschulreife anstreben.

Lohnt sich das Abitur nachholen auch im höheren Alter noch?

Die Berechtigung selbst kennt kein Alter, und ob sich der Weg lohnt, hängt vom Ziel ab. Wer noch viele Berufsjahre vor sich hat und ein Studium oder eine gehobene Laufbahn plant, profitiert lange. Wer kurz vor der Rente steht und keine formalen Ziele mehr hat, tut es meist für sich selbst.

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