Die Kosten fürs Abitur nachholen zerfallen in drei Blöcke: Schulgeld, das an staatlichen Abendgymnasien und Kollegs meist entfällt, die Prüfungsgebühr von null bis 400 Euro bei der Externenprüfung und Nebenkosten wie Kautionen und Fahrten. Die Lebenshaltung bleibt der größte Posten, weil der Unterricht neben dem Beruf läuft.
Die vier Kostenblöcke auf einen Blick
Wer sich für den zweiten Bildungsweg entscheidet, sollte die Ausgaben in vier Blöcken denken. Nicht jeder Block betrifft jeden Weg, und die Reihenfolge, in der sie fällig werden, ist genauso wichtig wie ihre Höhe.
| Kostenblock | Abendgymnasium | Kolleg | Externenprüfung | Fernstudium |
|---|---|---|---|---|
| Schulgeld | meist null an staatlichen Häusern | meist null an staatlichen Häusern | entfällt | Lehrgangsgebühr, Preis auf Anfrage |
| Prüfungsgebühr | im Unterricht enthalten | im Unterricht enthalten | null bis 400 Euro je nach Land | null bis 400 Euro je nach Land |
| Nebenkosten | Kaution, Fahrt, Bücher | Fahrt, Bücher | Prüfungsmaterial | Studienmaterial meist inklusive |
| Lebenshaltung | neben dem Beruf, weiterlaufend | Vollzeit, ohne Einkommen | neben dem Beruf | neben dem Beruf |
Detaillierte Tabellen zu den Gebühren je Bundesland stehen auf der Seite Abitur-Kosten, die Fördermöglichkeiten auf Finanzierung und Förderung.
Schulgeld: staatlich heißt meist kostenlos
In den meisten Bundesländern ist amtlich belegt, dass der Besuch eines staatlichen Abendgymnasiums oder Kollegs kein Schulgeld kostet. Kostet kann der Unterricht nur, wo die Einrichtung einen privaten, kirchlichen oder Volkshochschul-Träger hat. Das betrifft vor allem Baden-Württemberg und Bayern: Dort liegt der überwiegende Teil der Häuser in freier Trägerschaft, und die zum Abitur führenden Einrichtungen mit belegtem Beitrag verlangen dort einen Monatsbeitrag.
Drei Dinge helfen bei der Suche nach dem günstigen Platz:
- Zuerst die kommunalen und staatlichen Häuser prüfen, erst danach die freien Träger.
- Schulgeld nicht mit einer Kaution verwechseln: Kautionen werden am Ende zurückerstattet.
- Nach Befreiungsregeln fragen: einzelne Träger befreit BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger vom Schulgeld.
Die Unterschiede zwischen den Wegen erklären die Seiten zum Abendgymnasium und zum Kolleg.
Prüfungsgebühr: derselbe Abschluss, sehr verschiedene Preise
Die Externenprüfung, also das Abitur ohne vorherigen Schulbesuch, ist der einzige Weg, auf dem der Abschluss selbst direkt bezahlt wird. Die Gebühr steht nicht im Schulrecht, sondern im allgemeinen Gebührenrecht jedes Landes, und deshalb geht sie weit auseinander.
| Bundesland | Gebühr für die Externenprüfung |
|---|---|
| Baden-Württemberg | 0 Euro |
| Bremen | 0 Euro |
| Berlin | 100 Euro, gebührenfrei für BAföG-Empfänger und Leistungsempfänger |
| Brandenburg | 135 Euro, Zahlung vor Zulassung |
| Hessen | 325 Euro, Zahlung vor Zulassung |
| Hamburg | 400 Euro |
Die übrigen Länder nennen auf ihren amtlichen Seiten keinen Betrag; dort ist die Prüfung entweder kostenfrei oder die Gebühr steht erst im Bescheid. Wichtig für die Planung: Wer den Weg über ein Fernstudium wählt, zahlt diese Gebühr zusätzlich zur Lehrgangsgebühr, weil auch ein Fernlehrgang kein Schulbesuch im Sinne der Förderung ist.
Nebenkosten: die Posten, die niemand auf der Liste hat
Neben Schulgeld und Prüfungsgebühr stehen in den Preisblättern der Schulen regelmäßig dritte und vierte Zeilen. Belegte Beispiele aus dem Datenbestand dieser Website: 75 Euro Bücherkaution am Abendgymnasium Flensburg, 150 Euro Kaution und einmalig 88 Euro Anmeldegebühr am Privaten Abendgymnasium Würzburg, 80 Euro Aufnahmegebühr plus 100 Euro Lernmittelkaution an der Volkshochschule im Landkreis Konstanz, 225 Euro Anmeldegebühr an der Mannheimer Abendakademie.
Rechnen Sie mit Positionen dieser Art:
- einmalige Aufnahme- oder Anmeldegebühren
- Kautionen für Lehrbücher und Lernmittel, die am Ende zurückkommen
- Fahrtkosten zum Unterricht und zu den Prüfungstagen
- eigenes Arbeitsmaterial, Fachliteratur und ein Laptop, falls noch nicht vorhanden
Eine Kaution ist kein Preis, aber sie wird zu Beginn fällig, genau dann, wenn das Budget ohnehin knapp ist. Planen Sie sie als vorgestreckten Betrag ein.
Lebenshaltung: der größte Posten steht in keinem Preisblatt
Über alle sichtbaren Gebühren hinaus entscheidet die Lebenshaltung über die Machbarkeit. Das Kolleg ist ein Vollzeitbildungsgang: Wer es besucht, gibt sein Erwerbseinkommen für die Dauer des Bildungsgangs weitgehend auf und braucht eine Finanzierung, meist über BAföG. Das Abendgymnasium läuft abends neben dem Beruf, das Einkommen bleibt, aber die Unterrichtsabende schränken Überstunden und Nebenjobs ein.
| Weg | Einkommen während der Ausbildung | Typischer Finanzierungsbedarf |
|---|---|---|
| Kolleg | in der Regel keins | Lebenshaltung, am Kolleg häufig über BAföG-Zuschuss abgedeckt |
| Abendgymnasium | Teilzeit weiter möglich | Lücke bei reduzierten Stunden, BAföG teils erst in den letzten Halbjahren |
| Externenprüfung | voll weiter möglich | nur Gebühren und Material |
| Fernstudium | voll weiter möglich | Lehrgangsgebühr plus Prüfungsgebühr |
Ehrlich geplant ist das Kolleg also nicht der günstigste, sondern der teuerste Weg, wenn die Lebenshaltung mitgerechnet wird. Der billigste Weg ist die reine Prüfungsvorbereitung im Selbststudium mit Externenprüfung, die aber die meiste Disziplin verlangt. Details zur Förderung stehen auf der Seite Finanzierung und Förderung.
So senken Sie die Gesamtkosten
Die Reihenfolge der Entscheidungen bestimmt die Rechnung. Wer zuerst den Bildungsweg wählt und dann über das Geld nachdenkt, zahlt am Ende mehr als nötig.
- Bundesland prüfen: dieselbe Externenprüfung kostet je nach Wohnort zwischen null und 400 Euro.
- Träger prüfen: staatliche und kommunale Einrichtungen vor freien Trägern wählen.
- Förderung prüfen: am Kolleg gibt es BAföG von Anfang an als vollen Zuschuss, am Abendgymnasium häufig erst für die letzten Halbjahre.
- Arbeitgeber fragen: Bildungsurlaub und Zuschüsse senken Kosten und Einkommensverlust.
- Steuern prüfen: Fortbildungskosten lassen sich unter Umständen als Werbungskosten absetzen.
Mit allen vier Kostenblöcken vor Augen lässt sich der Weg wählen, der zum Budget passt, statt das Budget dem Weg anzupassen.
Die richtigen Fragen im Beratungsgespräch
Ein Beratungsgespräch an der Einrichtung Ihrer Wahl lohnt sich nur, wenn Sie die richtigen Fragen mitbringen. Auf einer Liste sollten stehen:
- Steht irgendwo ein Schulgeld, oder ist der Bildungsgang schulgeldfrei?
- Welche einmaligen Gebühren kommen hinzu, und welche davon sind Kautionen?
- Ab welchem Halbjahr gibt es BAföG an dieser Einrichtung?
- Übernimmt der Träger Befreiungen für BAföG-Empfängerinnen und -Empfänger?
- Wie hoch sind die typischen Fahrtkosten zum Standort?
Die Antworten auf viele dieser Fragen stehen auch in den Übersichten zu Kosten und Förderung dieser Website.
Häufige Fragen
Was kostet das Abitur nachholen insgesamt?
Das lässt sich nicht in einer Zahl beantworten, weil es vom Weg abhängt. Die sichtbaren Gebühren reichen von null Euro an einem staatlichen Abendgymnasium ohne Prüfungsgebühr bis zu einem vierstelligen Betrag für einen Fernlehrgang plus Prüfungsgebühr. Der größte Posten ist meist die Lebenshaltung, besonders am Vollzeit-Kolleg ohne Erwerbseinkommen.
Ist der zweite Bildungsweg kostenlos?
An staatlichen und kommunalen Abendgymnasien und Kollegs in der Regel ja, dort fällt kein Schulgeld an. In Baden-Württemberg und Bayern liegt ein großer Teil der Einrichtungen aber in freier Trägerschaft, und dort werden Monatsbeiträge erhoben. Die reine Externenprüfung kostet je nach Bundesland zwischen null und 400 Euro.
Welche einmaligen Kosten kommen neben dem Schulgeld auf mich zu?
Typisch sind Aufnahme- und Anmeldegebühren, Kautionen für Lehrbücher und Lernmittel sowie Fahrtkosten. Belegte Beispiele: 75 Euro Kaution am Abendgymnasium Flensburg, 225 Euro Anmeldegebühr an der Mannheimer Abendakademie. Kautionen sind kein Verlust, sie werden am Ende erstattet, belasten aber die Anfangsphase.
Warum kostet dieselbe Externenprüfung in Hamburg 400 Euro und in Bremen nichts?
Die Gebühr steht nicht im Schulrecht, sondern im Gebührenrecht des jeweiligen Landes. Jedes Land entscheidet selbst, ob es den Verwaltungsaufwand der Prüfung auf die Prüflinge umlegt. Baden-Württemberg und Bremen erheben deshalb nichts, während Hamburg und Hessen Beträge verlangen.
Welcher Weg zum Abitur ist der günstigste?
Rein nach sichtbaren Gebühren ist es die Externenprüfung in einem Land ohne Prüfungsgebühr, vorbereitet im Selbststudium. Dieser Weg verlangt aber die größte Eigenleistung. Unter den Wegen mit Unterricht ist das Abendgymnasium meist günstiger als das Kolleg, weil das Erwerbseinkommen weiterläuft.
Muss ich die Lebenshaltung mit einplanen, wenn ich weiter arbeite?
Ja, zumindest teilweise. Am Abendgymnasium läuft das Einkommen weiter, aber die Unterrichtsabende schränken Überstunden und Nebenverdienste ein. Viele Einrichtungen raten, die Arbeitszeit für die Dauer des Bildungsgangs bewusst zu reduzieren. Diese Lücke gehört in die Kostenrechnung, ebenso wie Fahrtkosten und Material.