Lernhilfen fürs Abitur: Nachweis, Lehrpläne und Lerntechniken

Was die Prüfungsordnungen vor der Zulassung verlangen, welche Lehrpläne den Stoff setzen und wie viel Lernzeit realistisch ist.

Geprüft von Ramon W. Tissler, Director der MADE-WITH.AI LTDZuletzt geprüft am

Die Externenprüfung verlangt vor der Zulassung einen schriftlichen Nachweis, dass die Vorbereitung den Anforderungen der gymnasialen Oberstufe entspricht. Maßgeblich sind die Rahmenlehrpläne des Bundeslands, in dem geprüft wird. Die Fernschulen rechnen mit 12 bis 16 Stunden Lernzeit pro Woche über zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre.

Der Vorbereitungsnachweis

Zur Externenprüfung zum Abitur wird nur zugelassen, wer nachweist, dass er sich angemessen vorbereitet hat. Berlin verlangt dafür nach § 11 Absatz 1 Nummer 2 seiner Prüfungsverordnung den Nachweis, sich anhand der Rahmenlehrpläne für die gymnasiale Oberstufe vorbereitet zu haben, und fordert im Merkblatt einen eingehenden Bericht auf einem Vordruck. Bremen verlangt eine Darstellung, aus der hervorgeht, dass Umfang und Inhalt der Vorbereitung den Anforderungen der Qualifikationsphase entsprechen.

Dieser Nachweis ist keine Formalie, sondern die erste Lernaufgabe. Wer aufschreiben muss, welche Themen er wann in welcher Tiefe bearbeitet hat, führt zwangsläufig ein Protokoll seiner Vorbereitung. Deshalb lohnt es, dieses Protokoll vom ersten Tag an mitzuschreiben statt es am Ende zu rekonstruieren.

Welche Lehrpläne gelten

Der Stoff richtet sich nach der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe des Bundeslands, in dem die Prüfung stattfindet. Für Teilnehmer eines Fernlehrgangs ist das oft nicht das eigene Land: ILS und Fernakademie führen zur Hamburger Externenprüfung, die SGD zur Abiturprüfung an Schulen in Hessen. Wer nach den Lehrplänen des Wohnorts lernt, lernt in diesem Fall am Prüfungsstoff vorbei.

Übungsmaterial gehört deshalb ebenfalls zum Prüfungsland. Mehrere Länder veröffentlichen Aufgaben und Erwartungshorizonte vergangener Abiturprüfungen auf ihren Bildungsservern, und die Verlage Stark, Klett und Cornelsen geben Sammlungen nach Bundesland und Fach heraus. Welcher Anbieter in welchem Land prüfen lässt, steht auf der Seite zu den Anbietern.

Wie viel Zeit nötig ist

Wie viel Zeit nötig ist, geben die Fernschulen selbst an, und die Zahlen liegen eng beieinander. Über eine Lehrgangsdauer von 30 Monaten summieren sich 15 Wochenstunden auf rund 1.950 Stunden. Das ist die Größenordnung, mit der ein Lernplan rechnen muss, und zwar zusätzlich zu einem Arbeitstag.

AnbieterLernaufwandLehrgangsdauer
ILSetwa 15 Stunden pro Woche30 oder 42 Monate
SGDetwa 12 bis 16 Stunden pro Woche32 oder 42 Monate
Fernakademieetwa 15 Stunden pro Woche30 oder 42 Monate

Am Abendgymnasium kommt dieselbe Größenordnung anders zustande: Dort liegt der Unterricht an mehreren Abenden in der Woche, dazu die Vor- und Nachbereitung. Der Vorteil ist der feste Takt, der Nachteil die Ortsbindung.

3 Lerntechniken, die für Prüfungsstoff taugen

Nach Jahren ohne Schule ist nicht der Stoff das Problem, sondern die Frage, wie man ihn angeht. Diese drei Techniken zielen alle auf dasselbe: Sie machen sichtbar, was noch nicht sitzt, statt Vertrautheit zu erzeugen.

Aktives Abrufen statt Wiederlesen

Wer einen Text mehrfach liest, verwechselt Vertrautheit mit Können. Aktives Abrufen dreht das um: Der Stoff wird aus dem Gedächtnis reproduziert, bevor die Vorlage aufgeschlagen wird. Praktisch heißt das, nach jedem Kapitel die Kernfragen ohne Buch zu beantworten und erst danach zu vergleichen.

So umgesetzt: Am Ende jeder Lerneinheit fünf Fragen formulieren und in der nächsten Einheit schriftlich beantworten. Wer den Stoff jemandem erklären kann, ohne nachzuschlagen, hat ihn.

Wiederholung in wachsenden Abständen

Vergessen verläuft nicht gleichmäßig, sondern am schnellsten kurz nach dem Lernen. Wiederholungen wirken deshalb am stärksten, wenn sie kurz vor dem Vergessen liegen und ihr Abstand danach wächst: nach einem Tag, nach drei, nach einer Woche, nach einem Monat.

So umgesetzt: Für Vokabeln, Formeln und Jahreszahlen ein Karteikartensystem führen, digital oder auf Papier, und die Abstände nach der eigenen Trefferquote steuern statt nach dem Kalender.

Fächer und Aufgabentypen mischen

Ein Nachmittag mit dreißig gleichartigen Aufgaben trainiert das Ausführen, nicht das Erkennen. In der Prüfung steht die Aufgabe aber ohne Überschrift da, und die eigentliche Leistung besteht darin, den passenden Ansatz zu wählen. Gemischte Übungssätze trainieren genau das.

So umgesetzt: Statt eines Themenblocks je Sitzung drei Themen abwechselnd üben. Das fühlt sich schwerer an und ist es auch, weil jedes Mal neu entschieden werden muss, worum es geht.

Üben unter Prüfungsbedingungen

Eine Abiturklausur dauert je nach Fach vier bis fünf Zeitstunden. Wer diese Dauer nie geübt hat, verliert in der Prüfung Zeit an der Einteilung statt am Stoff. Deshalb gehört in die letzten Monate mindestens dreimal ein vollständiger Durchlauf: dieselbe Uhrzeit, dieselbe Dauer, nur die zugelassenen Hilfsmittel, keine Unterbrechung.

Bei der Externenprüfung wiegt das schwerer als am Abendgymnasium, weil keine Vornoten aus dem Unterricht eingehen. Jede Prüfungsleistung steht dort für sich. Wer zusätzlich mit Prüfungsangst rechnet, findet an Abendgymnasien und Kollegs Beratungslehrkräfte und bei den Fernschulen persönliche Studienbetreuer; welche Belastungen sonst noch auf dem Weg liegen, steht auf der Seite zu den Herausforderungen.

Häufige Fragen

Wie weist man die Vorbereitung auf die Externenprüfung zum Abitur nach?

Schriftlich, vor der Zulassung. Die Prüfungsordnungen verlangen den Nachweis, dass die Vorbereitung den Anforderungen der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe entspricht. Berlin verlangt dafür einen eingehenden Bericht auf einem Vordruck, Bremen eine Darstellung von Umfang und Inhalt der Vorbereitung. Ohne diesen Nachweis wird nicht zugelassen.

Welche Inhalte muss man für die Externenprüfung zum Abitur lernen?

Den Stoff der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe des Bundeslands, in dem geprüft wird. Maßgeblich sind dessen Rahmenlehrpläne, nicht die eines anderen Landes und nicht ein bundesweiter Kanon. Berlin nennt in seiner Prüfungsverordnung ausdrücklich die Rahmenlehrpläne für die gymnasiale Oberstufe als Bezugspunkt.

Wie viele Stunden pro Woche muss man für das Abitur im Fernstudium lernen?

Die Anbieter selbst rechnen mit 12 bis 16 Stunden pro Woche über zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre. ILS und Fernakademie nennen etwa 15 Stunden, die SGD 12 bis 16 Stunden. Bei einem Lehrgang über 30 Monate ergibt das rund 1.950 Stunden Lernzeit neben Beruf oder Familie.

Welche Lerntechnik hilft bei der Abiturvorbereitung am meisten?

Aktives Abrufen. Den Stoff aus dem Gedächtnis zu reproduzieren und erst danach mit der Vorlage zu vergleichen, deckt Lücken auf, die beim Wiederlesen unsichtbar bleiben. An zweiter Stelle steht die Wiederholung in wachsenden Abständen, an dritter das Mischen von Themen, weil die Prüfung ebenfalls nicht nach Themenblöcken sortiert ist.

Wo bekommt man alte Abituraufgaben zum Üben?

Bei der Schulverwaltung des eigenen Bundeslands. Mehrere Länder veröffentlichen Aufgaben und Erwartungshorizonte vergangener Prüfungen auf ihren Bildungsservern. Kommerziell geben Verlage wie Stark, Klett und Cornelsen Sammlungen nach Bundesland und Fach heraus. Für die Externenprüfung zählt dabei das Land, in dem geprüft wird.

Wann sollte man mit der Vorbereitung auf die Externenprüfung anfangen?

So früh, dass der Meldeschluss nicht in die Vorbereitung fällt. Er liegt je nach Bundesland zwischen dem 1. September und dem 1. April, und in Berlin, Hessen und Niedersachsen ist er eine Ausschlussfrist. Wer mit 30 Monaten Lehrgangsdauer rechnet, muss den Termin des eigenen Landes also zweieinhalb Jahre im Voraus kennen.

Gibt es Prüfungsangst-Hilfe für Erwachsene auf dem zweiten Bildungsweg?

Abendgymnasien und Kollegs haben Beratungslehrkräfte, und die Fernschulen stellen persönliche Studienbetreuer. Wirksamer als jedes Gespräch ist allerdings die Probeprüfung unter echten Bedingungen: dieselbe Uhrzeit, dieselbe Dauer, keine Hilfsmittel außer den zugelassenen. Wer den Ablauf dreimal durchlaufen hat, geht mit einer bekannten Situation in die Prüfung.

Woher die Angaben stammen