Externenabitur: Ablauf, Zulassung und Prüfung ohne Schulbesuch

Was das Externenabitur ist, wie Ablauf und Zulassung laufen und worin es sich vom Abitur an Schule, Abendschule und Kolleg unterscheidet.

Geprüft von Ramon W. Tissler, Director der MADE-WITH.AI LTDZuletzt geprüft am

Das Externenabitur ist die staatliche Abiturprüfung für Menschen, die keine Schule besuchen. Es führt zur selben allgemeinen Hochschulreife wie das Gymnasium, wird aber ohne Kursnoten allein über die Prüfung erworben. Zulassung, Fächer und Gebühren regelt jedes Bundesland selbst, deshalb entscheidet das Prüfungsland über den gesamten Weg.

Was das Externenabitur ist

Das Externenabitur ist die Abiturprüfung für Menschen ohne Schulanmeldung. Wer sie besteht, erhält die allgemeine Hochschulreife, also dieselbe Berechtigung wie ein Abiturient am Gymnasium: Zugang zu allen Studiengängen an Hochschulen und zu allen Ausbildungen, die das Abitur verlangen. Im Zeugnis steht kein Unterschied zum Schulabitur.

Die Länder nennen den Weg unterschiedlich: Nichtschülerprüfung, Schulfremdenprüfung, Abiturprüfung für Externe oder Abiturprüfung für andere Bewerberinnen und Bewerber. Alle Bezeichnungen meinen dasselbe Prüfungsformat, Details dazu im Artikel zur Nichtschülerprüfung.

Der entscheidende Unterschied zum Schulabitur: Es gibt keine Kursnoten aus der Qualifikationsphase. Die Note des Zeugnisses entsteht allein aus den Prüfungsleistungen, in der Regel in mehr Fächern als am Gymnasium, weil nichts vorab angerechnet werden kann.

Der Ablauf vom Entschluss zum Zeugnis

Der Weg lässt sich in fünf Phasen gliedern, die in dieser Reihenfolge aufeinander aufbauen:

  1. Land klären: Zuständig ist das Bundesland des Hauptwohnsitzes, mehrere Länder knüpfen die Zulassung an eine Mindestwohndauer.
  2. Vorbereitung: Selbststudium, anerkannte Kurse oder ein Fernlehrgang. Manche Länder verlangen einen schriftlichen Nachweis der Vorbereitung.
  3. Anmeldung: Innerhalb der Frist des Landes bei der zuständigen Schulaufsicht. Der Meldeschluss reicht je nach Land vom 1. September bis zum 1. April, wie die Seite Ablauf und Dauer zeigt.
  4. Prüfung: Schriftliche und mündliche Prüfungen an einer zugewiesenen Schule, meist im zeitlichen Umfeld der regulären Abiturprüfung.
  5. Ergebnis: Feststellung durch den Prüfungsausschuss und Zeugnis über die allgemeine Hochschulreife.

Wer eine Phase unterschätzt, zahlt es in der nächsten: Die meisten unterschätzen die Vorbereitungszeit, nicht die Prüfung.

Zulassung: was die Länder verlangen

Die Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich stärker als bei jedem anderen Weg zum Abitur. Die Spannen im Überblick:

VoraussetzungSpanne zwischen den Ländern
Schulischer Abschlusszwischen keinem und mittlerem Schulabschluss
Mindestalterzwischen keiner Angabe und dem vollendeten 25. Lebensjahr in Bayern
Wohnsitzteils keine Bedingung, teils 3 bis 12 Monate Hauptwohnsitz
Vorbereitungsnachweisteils formlos, teils Bericht oder anerkannter Lehrgang

Zwei Muster fallen auf. Erstens verlangt die Mehrzahl der Länder keinen Schulabschluss, dafür aber einen Nachweis, dass die Vorbereitung der Qualifikationsphase entspricht. Zweitens regeln die Länder die Vorbereitung gegensätzlich: Nordrhein-Westfalen erkennt Selbststudium ausdrücklich an, Niedersachsen verlangt Kurse oder Fernlehrgänge.

Die belegten Werte je Land mit Paragraf und Fundstelle stehen auf der Seite zur Externenprüfung und in den Landesdetailseiten darunter. Allgemeine Voraussetzungen aller Wege sammelt die Seite Voraussetzungen.

Die Prüfung selbst

Geprüft wird auf dem Niveau der regulären Abiturprüfung des Landes. Weil keine Vornoten existieren, ist der Prüfungsumfang größer: Bayern und Nordrhein-Westfalen sehen jeweils acht Prüfungsfächer vor, vier davon schriftlich, mit möglicher zusätzlicher mündlicher Prüfung, vier weitere nur mündlich. Bayern schreibt unter den acht Fächern Deutsch, Geschichte, Mathematik, eine Naturwissenschaft und zwei Fremdsprachen vor.

Der Ablauf einer schriftlichen Prüfung entspricht dem der Schule: zentral gestellte Aufgaben, Aufsicht, Bearbeitungszeiten von je nach Fach vier bis fünf Zeitstunden, nur die zugelassenen Hilfsmittel. Die mündliche Prüfung besteht in der Regel aus einem Kurzvortrag und einem Prüfungsgespräch.

Anmeldungsrelevante Besonderheit: Die Prüfung findet in den meisten Ländern nur einmal jährlich statt. Wer durchfällt oder den Termin verpasst, wartet ein volles Jahr; für einen Wiederholungsversuch gelten eigene Fristen und teils Sperrfristen.

Externenabitur gegen die anderen Wege

Wer erwachsen das Abitur nachholt, wählt zwischen mehreren Wegen. Das Externenabitur ist der einzige ohne Unterricht und ohne feste Dauer:

WegUnterrichtDauerneben dem Beruf
Externenabiturkeinereigene Vorbereitungszeitja
Abendgymnasiumabendsin der Regel 3 Jahreja
Kollegtagsüberin der Regel 3 Jahrenein
Fernlehrgang mit Prüfungbetreutes Selbstlernen30 bis 42 Monate Lehrgangja

Das Externenabitur ersetzt die Betreuung durch Eigenverantwortung. Das spart Gebühren und Anwesenheitspflicht, verlagert aber das Risiko vollständig in die Prüfung: Ohne Kursnoten entscheidet der Prüfungstag allein. Der ausführliche Vergleich aller Wege steht unter Wege zum Abitur.

Für wen sich der Weg eignet

Aus den Eigenschaften des Formats folgt, wer damit rechnen kann:

  • Starke Vorkenntnisse: Wer das Abitur abgebrochen oder eine Ausbildung mit Bezug zu den Prüfungsfächern hat, baut auf vorhandenem Stoff auf.
  • Eigenständiges Lernen: Wer ohne Takt, Korrekturen und Lerngruppe über Jahre diszipliniert arbeitet, ist die Ausnahme, nicht die Regel.
  • Beruf oder Familie tagsüber: Der Weg verlangt keine Anwesenheit, also keine Freistellung vom Arbeitgeber.
  • Weite Distanz zur naechsten Schule: Prüfungsort ist die zugewiesene Schule, die Vorbereitung läuft von zu Hause.

Für alle anderen ist das Abendgymnasium oder das Kolleg mit Unterricht, Kursnoten und festem Takt meist der sicherere Weg. Wer unsicher ist, ob das eigene Lernen trägt, findet auf der Seite zu den Herausforderungen die typischen Abbruchsgründe.

Kosten und Förderung im Überblick

Die Prüfungsgebühr liegt je nach Land zwischen null und 400 Euro, Baden-Württemberg und Bremen erheben keine, Hamburg verlangt die höchste belegte Gebühr. Hinzu kommen die Kosten der Vorbereitung, die von null Euro bei reinem Selbststudium bis zu den Lehrgangspreisen der Fernschulen reichen.

Förderung über BAföG gibt es für die eigenständige Vorbereitung nicht. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz setzt eine Ausbildung an einer öffentlichen Einrichtung oder einer genehmigten Ersatzschule voraus, die Vorbereitung auf eine Prüfung ist keine solche Ausbildung. Gefördert wird nur der Besuch von Abendgymnasium oder Kolleg. Die Details stehen auf den Seiten zu den Kosten und zur Finanzierung.

Häufige Fragen

Ist das Externenabitur ein vollwertiges Abitur?

Ja. Das Externenabitur führt zur allgemeinen Hochschulreife, also zur selben Berechtigung wie das Abitur am Gymnasium. Es berechtigt zum Studium aller Fächer an allen Hochschulen in Deutschland. Im Zeugnis unterscheidet es sich nicht vom Schulabitur, es steht lediglich die Prüfung, nicht eine besuchte Schule, dahinter.

Wie lange dauert das Externenabitur?

Es gibt keine Regeldauer, weil kein Bildungsgang besucht wird. Die Dauer entspricht der eigenen Vorbereitungszeit. Wer einen Fernlehrgang nutzt, rechnet mit 30 bis 42 Monaten bei etwa 12 bis 16 Wochenstunden Lernaufwand. Wer auf vorhandene Kenntnisse aufbaut, kann schneller prüfungsfähig sein.

Brauche ich für das Externenabitur einen Schulabschluss?

In der Mehrzahl der Bundesländer nein. Baden-Württemberg, Bayern und Hessen verlangen einen mittleren Schulabschluss, die übrigen Länder verlangen stattdessen den Nachweis einer ausreichenden Vorbereitung. Die belegte Regelung je Land mit Fundstelle steht auf der Seite zur Externenprüfung.

Kann ich das Externenabitur neben dem Beruf machen?

Ja, der Weg verlangt keine Anwesenheit und ist deshalb mit einer Vollzeitstelle vereinbar. Die Belastung liegt bei etwa 12 bis 16 Lernstunden pro Woche über mehrere Jahre zusätzlich zum Beruf. Wer diesen Aufwand dauerhaft nicht tragen kann, bricht meist in der Vorbereitungsphase ab, nicht in der Prüfung.

Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?

Eine nicht bestandene Prüfung kann wiederholt werden, dafür gelten die Fristen und Wiederholungsregeln des Prüfungslandes. In der Regel gilt eine Sperrfrist bis zur nächsten Prüfung, und die meisten Länder prüfen nur einmal jährlich, es vergeht also mindestens ein Jahr. Wie oft wiederholt werden darf, regelt die jeweilige Prüfungsordnung.

Wo wird das Externenabitur anerkannt?

Die allgemeine Hochschulreife aus einer Externenprüfung gilt bundesweit wie jedes Abitur, weil die Kultusministerkonferenz die Gleichwertigkeit der allgemeinen Hochschulreife vereinbart hat. Auch im Ausland wird das Zeugnis wie ein deutsches Abitur behandelt, etwa über die Datenbank anabin des Sekretariats der Kultusministerkonferenz.

Woher die Angaben stammen