Abitur am Kolleg nachholen

Abitur am Kolleg nachholen
Das Abitur am Kolleg ist in Vollzeit zu erledigen und bietet den organisiertesten Rahmen bis hin zum Abitur an.

Berufserfahrene Erwachsene jeder Altersstufe gehören in erster Linie zur Zielgruppe eines Kollegs. Die Lernkonzepte eines Kollegs sind auf Menschen unterschiedlichster Altersgruppen zugeschnitten. In Weiterbildungskollegs werden in der Regel die Bildungsgänge der Abendrealschule, des Abendgymnasiums und des Kollegs angeboten, wodurch vielfach es Weiterbildungskollegs sind, die Abiturkurse anbieten.

Der Unterricht erfolgt in Vollzeit und umfasst im Durchschnitt 30-32 Wochenstunden. Einige der deutschen Kollegs nehmen die externe Abiturprüfung ab.

Faktencheck: Am Kolleg das Abitur nachholen

  • Unterricht: Vollzeit, tagsüber
  • Voraussetzungen: >19 Jahre, abgeschlossene Berufsausbildung (alternativ andere Zeiten anrechnenbar)
  • Ablauf: Vorkurs (6 Monate) oder Eignungstest, 1 Jahr Einführungsphase (die übersprungen werden kann), 2 Jahre Qualifikationsstufe
  • Dauer: 2 bis 3,5 Jahre (je nach Vorbildung)
  • Kosten: Öffentliche Kollegs kostenlos, private Kollegs 2 bis 3-stellig/Mo. zzgl. Kosten für Lehrbücher

Vollzeitunterricht tagsüber an Kollegs

Da insgesamt ein Volumen von knapp 32 Wochenstunden untergebracht werden muss, findet der Kurs an Kollegs tagsüber und gezielt lebensbegleitend statt. Die parallele Ausübung eines Berufes ist während der Dauer des Kurses rechtlich sowie zeitlich ausgeschlossen. Das gilt für Vollzeitjobs und Halbtagsjobs, jedoch nicht für Nebenjobs. Betreiber eines Kollegs sind mit den besonderen erwachsenengerechten Lehr- und Lernmethoden bestens vertraut und bereiten die Teilnehmer zielgerichtet auf die Abiturprüfung vor. Dennoch ist ein hohes Maß an Eigeninitiative und persönlichem Engagement der Kollegiate (Schüler eines Kollegs) zwingend erforderlich.

Der Begriff „Kolleg“ wird auch oft in Verbindung mit einem Berufskolleg verwendet. Dabei handelt es sich jedoch um eine andere Schulform. Ein Kolleg bereitet Erwachsene mit Berufserfahrung auf das Abitur vor, das Berufskolleg hingegen (auch Kollegschule genannt) stellt in einigen Bundesländern eine vergleichbare Einrichtung wie eine berufsbildende Schule dar.

Der Ablauf des Abiturkurses am Kolleg

Vorkurs oder Eignungtest

Bevor die erwachsenen Schüler zum Kolleg zugelassen werden, findet ein Vorkurs bzw. ein Eignungstest statt. Im Vorkurs, der für Erwachsene mit Hauptschulabschluss verbindlich belegt werden muss, werden die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch sowie eine weitere Fremdsprache vermittelt. Für Erwachsene, deren Realschulabschluss lange zurückliegt, ist dieser Kurs optimal geeignet, um die bereits erworbenen Kenntnisse aufzufrischen. Der Vorkurs dauert sechs Monate.

Alternativ zum Vorkurs steht den Bewerbern die Eignungs- oder Aufnahmeprüfung offen. Wenn Bewerber davon ausgehen, dass ihre Kenntnisse in den geforderten Fächern auf Realschulniveau ausreichend sind, können sie direkt in die Eignungsphase wechseln. Wichtig: Wer durch die Aufnahmeprüfung fällt, kann den Eignungstest im selben Jahr nicht wiederholen. Allerdings darf der Vorkurs im darauffolgenden Jahr erneut belegt werden.

Einführungsphase

Die ein Jahr dauernde Einführungsphase (E-Phase) an Kollegs entspricht vom Schulstoff her der elften Klasse. Damit erwerben Kollegiate die notwendigen Grundkenntnisse für die darauf folgende zweijährige Qualifikationsstufe. Im Rahmen der E-Phase wird der Wissensstand der teilnehmenden Kollegiate angeglichen. Es gibt Möglichkeiten, die Einführungsphase zu überspringen. Unter folgenden Voraussetzungen können Kollegiate direkt in die zwölfte Klasse (erstes Jahr der Qualifikationsstufe) einsteigen:

  • Versetzung in die zwölfte Klasse wurde bereits nachweislich erreicht und der Bewerber hat über eine Spanne von sechs bzw. vier Jahren zwei Fremdsprachen erlernt.
  • Die Fachhochschulreife wurde mit zwei Fremdsprachen erfolgreich erlangt.
  • Der Realschulabschluss liegt nicht länger als zwei Jahre zurück.

Liegt eine der genannten Voraussetzungen vor, können Bewerber innerhalb von zwei Jahren das Abitur an einem Kolleg machen.

Qualifikationsphase

In enger Anlehnung an gymnasiale Strukturen wählen die Bewerber mit Eintritt in die erste Qualifikationsstufe individuelle Fächer. Hierbei sind länderspezifische Eigenarten und Beschränkungen zu berücksichtigen. Die Wahlpflichtfächer sind zwei Leistungskurse, die mit einem Umfang von fünf Unterrichtsstunden pro Woche vermittelt werden. Es handelt sich dabei um das 1. und 2. Abiturfach. Die Schwerpunkte der ersten beiden Abiturfächer müssen entweder naturwissenschaftlicher, gesellschaftswissenschaftlicher oder sprachlicher Natur sein. Zwei weitere Grundkurse (3. und 4. Abiturfach) werden mit 2 bis 3 Stunden pro Woche vermittelt. Das 1., 2. und 3. Abiturfach wird jeweils schriftlich, das 4. Abiturfach ausschließlich mündlich geprüft.

Abitur am Kolleg: die Vorteile

Wer sein Abitur an einem Kolleg absolviert, kann einige Vorteile für sich beanspruchen. Diese Vollzeit-Schulform ermöglicht es den Kollegiaten, sich zu 100 % auf die Schulausbildung zu konzentrieren. Über einen Zeitraum von zwei bis dreieinhalb Jahre (in Abhängigkeit von den Grundvoraussetzungen) steht die Erlangung des Abiturs im Fokus. Das hilft enorm dabei, die Konzentration zu wahren und gute Lernerfolge zu erzielen. Auf dem Weg zum Vollabitur erlangen die Kollegiate nach zwei Jahren bereits die Fachhochschulreife. Mit dieser Qualifikation dürfen sie an Fachhochschulen ein Studium beginnen.

Ein Kolleg ist offen für alle Altersstufen. Das ermöglicht einem Erwachsenen zu jeder Zeit die Karrierepläne im Hinblick auf die individuellen beruflichen Perspektiven zu verwirklichen. Da die heutige Arbeitswelt schnelllebig und Karriereschritte nur kurz- bis mittelfristig vorherbestimmbar sind, eröffnet ein Kolleg ganz neue Perspektiven. Private und staatliche Kollegs sind im gesamten Bundesgebiet flächendeckend verteilt. Es ist also ohne Ausnahme in jedem Bundesland möglich, das Abitur am Kolleg zu absolvieren, oftmals sogar in der Nähe des eigenen Wohnortes. Die Kollegs sind einem zentralen Netz angeschlossen und tauschten sich auch länderübergreifend über Erfahrungen in der Erwachsenenbildung aus. Damit stellen sie sicher, Lernmethodik, Didaktik und Organisation stets up to date zu halten.

Voraussetzungen für den Zugang zum Kolleg

Es gibt einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit ein berufserfahrener Erwachsener am Kolleg sein Abi nachholen kann. Als Mindestalter sind 19 Jahre vorgeschrieben. An vielen Kollegs ist es daneben derzeit möglich, bereits im Vorfeld einen Vorkurs zu belegen, wenn ein Hauptschulabschluss vorliegt und das 18. Lebensjahr erreicht ist. Zusätzlich muss eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine dreijährige Berufstätigkeit prüfbar nachgewiesen werden. Alternativ hierzu ist es zulässig Wehr- oder Zivildienst, Elternzeit, Betreuung Minderjähriger oder pflegebedürftige Personen sowie Zeiten der Arbeitslosigkeit nachzuweisen. Die minimal oder maximal zulässigen Zeiträume können allerdings von Schule zu Schule und von Bundesland zu Bundesland variieren. Falls Bewerber keine der genannten Voraussetzungen erfüllen, lassen sich unter Umständen andere Zeiten anrechnen:

  • Soziales oder ökologisches Jahr
  • Zeiten als Entwicklungshelfer
  • Fremdsprachenschüler im Ausland

Ob und welche alternativen Zeiten als Aufnahmekriterium anerkannt werden, ist einzelfallbezogen mit dem Kolleg abzuklären.

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Zunächst ist das individuelle Anmeldeformular des gewählten Kollegs anzufordern und auszufüllen. Hinzu kommen in aller Regel folgende Unterlagen:

  • Lebenslauf
  • Passfoto und Kopie des Personalausweises
  • Abschlusszeugnis der letzten allgemeinbildenden Schule
  • Gesellenbrief, Berufsabschlusszeugnis oder andere Nachweise vergleichbarer Qualität
  • Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen

Kosten für die Ausbildung am Kolleg

Privat getragene Kollegs können monatliche Schulgelder erheben. Die Beträge können sich im zwei- bis dreistelligen Bereich bewegen. Schüler an staatlichen Kollegs können einen BAföG Antrag stellen, soweit u.a. die altersmäßigen Voraussetzungen vorliegen. Während eines Vorkurses ist die Gewährung von BAföG oftmals ausgeschlossen, weil parallel ein Nebenjob oder eine Teilzeitbeschäftigung ausgeübt wird. Die geltende Lernmittelfreiheit von BAföG-Empfängern sorgt dafür, dass die Bücher kostenlos verfügbar sind. Alle anderen Kollegiate können die Leihbibliothek des Kollegs nutzen oder müssen sich die Bücher selber anschaffen.

Wahl eines geeigneten Kollegs

Grundsätzlich gilt, dass jedes Kolleg, das den Abiturlehrgang anbietet, staatlich zugelassen sein muss. Das bedeutet auch, dass eine gewisse Qualität nachweislich erbracht wird. Alleine die staatliche Anerkennung ist ein ganz wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines seriösen Anbieters. Sollte die staatliche Anerkennung nicht ausgesprochen sein, kann an diesem Kolleg kein qualifiziertes Abitur absolviert werden.

Das Abitur an einem Kolleg nachzuholen bedeutet, Vollzeit zur Schule zu gehen. Diesen Umstand sollten Interessenten bei der Wahl des Kollegs beachten. Zunächst einmal ist die Zahl der Anbieter nicht so hoch, dass in jeder Stadt ein geeignetes Kolleg für das Abitur ansässig ist. Es ist durchaus möglich, dass das nächstgelegene Kolleg in der nächsten Kreisstadt oder in der Landeshauptstadt sitzt. In Abhängigkeit vom Wohnort können dabei beträchtliche Anfahrtszeiten zu Buche schlagen.

Die Qualität eines Kollegs lässt sich im Prinzip an mehreren Kriterien festmachen. Zum einen sollte sich das Kolleg online und offline professionell präsentieren. D.h., dass die Internetseite gut gefüllt mit Informationen bereit steht und dass auf Anfragen recht schnell reagiert wird. Darüber hinaus sind umfangreiche Infomaterialien, Gespräche über Finanzierungsmöglichkeiten und persönliche Beratungstermine zur Klärung der Zulassungsvoraussetzungen ebenfalls ein wichtiges Zeichen dafür, ob ein Kolleg verantwortlich und professionell mit den Schülern umgeht.

Lehrpläne und Lehrkörper am Kolleg

Die Qualität einer Schule steht und fällt mit den Lehrplänen und den Personen, die Sie vermitteln. Insofern ist es wichtig, sich die Lehrpläne detailliert anzusehen und mit denen anderer Kollegs zu vergleichen. Sinnvoll ist auch, sich über die Lehrer Informationen einzuholen. Dozenten mit regelmäßigen Vortragstätigkeiten oder aktiven Veröffentlichungen in Fachzeitschriften verstärken die Seriosität und sind zumindest ein offenkundiger Garant für eine gute und nachhaltige Ausbildung. Da die Erwachsenenbildung ein ganz besonderes Weiterbildungsfeld ist, sollten die Lehrkräfte an einem Kolleg eine spezielle Zusatzausbildung haben. Im Zweifel kann man hier gezielt nachfragen.

Social Networking

Nicht zuletzt lohnt es sich auch, mit ehemaligen oder aktiven Lehrkräften, Schülern und Absolventen in Kontakt zu treten. Diese können über die Qualität der Ausbildung konkret berichten. Noch besser sind allerdings sachliche Informationen über die Abschlussquote. Während man bei Fernschulen recht einfach an zuverlässige Statistiken über die Erfolgsquoten kommt, ist es bei einem Kolleg schon schwieriger. In Zeiten des World Wide Web jedoch lohnt es sich, sich auf den Social-Media-Kanälen nach dem Kolleg zu erkundigen.

Liste an Kollegs und Abendgymnasien nach Bundesländern

Praxistipp

Wer aus einem bestehenden Kurs an einem anderen Kolleg oder an einem Abendgymnasium zu einem neuen Kolleg wechseln möchte, kann eine Übernahmeantrag stellen. Allerdings ist es ratsam, sich mit dem neuen und dem alten Kolleg über die Fristen abzustimmen, innerhalb derer der Wechsel stattfinden kann. Ein Rechtsanspruch jedoch besteht nicht.

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